Die Zukunft des Atommülls in Jülich bleibt ungewiss

Die Zukunft des Atommülls in Jülich bleibt ungewiss

Von Christian Wolf und Torsten Reschke

  • Unklarheit über Atommüll aus ehemaligem Versuchsreaktor Jülich
  • Genehmigung für die Aufbewahrung ist abgelaufen
  • Drei Optionen werden diskutiert

Seit 2013 ist die Genehmigung für die Aufbewahrung von rund 290.000 radioaktiven Kugeln im ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich abgelaufen. Doch noch immer lagert der atomare Abfall dort. Drei Lösungsmöglichkeiten stehen derzeit im Raum:

  • Der Neubau eines Zwischenlagers in Jülich. Experten gehen davon aus, dass dies neuneinhalb Jahre dauern würde.
  • Ein Transport in die USA. Über den Seeweg könnten die Atomkugeln dort hingebracht werden, wo sie herkommen. Doch dafür wäre auch ein Atomtransport bis zu einem Seehafen nötig.
  • Aufbewahrung im Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus. Die Kugeln müssten dafür quer durch NRW transportiert werden.

Schnelligkeit zählt

Andreas Pinkwart

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart

Der zuständige NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) legt sich nicht fest. Diejenige Alternative, die sich "am schnellsten umsetzen lässt", werde von der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) vorgeschlagen, sagt er dem WDR-Magazin Westpol.

Ahaus hat Nachteile

Ein Favorit zeichnet sich nicht ab. Noch bis zum Jahr 2012 hatten sich Bund und Land angeblich auf Ahaus festgelegt. Aber auch dort läuft die Genehmigung in spätestens 18 Jahren aus.

Außerdem müssen die Atomkugeln wiederaufbearbeitet werden. Felix Ruwe von der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" sagt, dass dies in Jülich passieren müsse - beim Verursacher. "Das heißt, wir hätten jetzt einen Transport von Jülich nach Ahaus, dann einen Rücktransport nach Jülich, dort in eine Wiederaufarbeitung und von dort aus dann wieder ein Transport zu einem möglichen Endlager", kritisiert Ruwe den Aufwand.

Hohe Sicherheitsstandards

Castortransport

Für Castortransporte gelten hohe Sicherheitsstandards

Allein der Transport - egal ob in die USA oder nach Ahaus - wäre eine Herausforderung. Denn die Behörden fordern immer neue Sicherheitsstandards. "Wir können heute nicht abschätzen, innerhalb welcher Zeit wir diese Anforderungen erfüllen, weil sie neu sind und weil wir dort in erheblichem Umfang Pionierarbeit leisten müssen", sagt JEN-Geschäftsführer Rudolf Printz.

Rechnungshof fordert Entscheidung

Mittlerweile macht der Bundesrechnungshof Druck. Westpol liegt ein noch unveröffentlichtes Schreiben an den Bundestag vor. Darin wird eine Entscheidung gefordert: "Statt der Ausgaben für die Räumung des Lagers fallen fortlaufend Kosten für die Aufrechterhaltung des bisherigen - rechtswidrigen - Zustands an."

Im Landtag hat Minister Pinkwart diese Woche einen Bericht abgegeben. Demnach wird gerade geprüft, ob ein Transport in die USA rechtlich erlaubt ist. Eine Festlegung "für oder gegen eine der drei Optionen" sei damit aber nicht verbunden.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war die Rede von 150.000 Atomkugeln, die in Jülich lagern. Es sind aber 290.000. Wir haben den Fehler korrigiert.

Stand: 08.07.2018, 08:52