Nahles trommelt für die GroKo

Andrea Nahles, SPD-Fraktionsvorsitzende, in Schwerte

Nahles trommelt für die GroKo

Von Rainer Kellers

Sie hatte kaum Stimme. Und trotzdem ist Andrea Nahles am Aschermittwoch (14.02.2018) zur NRW-SPD gekommen. Sie warb für die GroKo. Überzeugt hat sie in Schwerte aber längst nicht jeden.

Wenn sich Andrea Nahles in Rage redet, droht ihre Stimme zu kippen. Beim politischen Aschermittwoch (14.02.2018) in Schwerte geschieht das schon, wenn sie in Normallautstärke redet.

Nahles ist angeschlagen. Die vergangenen Tage waren hart. Trotzdem ist die nominierte Parteivorsitzende zu den Genossen ins Ruhrgebiet gekommen. Es gilt, Stimmen und Herzen zu sammeln für die GroKo.

Nur scheinbar leichtes Spiel für Nahles

Im historischen Gasthaus "Freischütz" in Schwerte hat Nahles scheinbar leichtes Spiel: Keine protestierenden Jusos, ein freundlicher Empfang, sogar vereinzelte "Andrea"-Rufe kommen aus dem Publikum. Auch die Vorredner trommeln für die GroKo.

Und dennoch: Die SPD ist tief gespalten. Auch in Schwerte. Fragt man später im Saal, gibt es viele, die beim Mitglieder-Votum mit Nein stimmen wollen. Helmut Beer zum Beispiel, seit 28 Jahren SPD-Mitglied. "Die Nahles kann sagen, was sie will, ich stimme mit Nein", sagt er.

Ein anderer hält dagegen: "Du kannst nur was bewegen, wenn du mitregierst." Und so geht das überall im Saal.

Den Koalitionsvertrag schmackhaft machen

Andrea Nahles, SPDFraktionsvorsitzende, in Schwerte

Mit kippender Stimme: Andrea Nahles

Nahles versucht in ihrer Rede, den Genossen den Koalitionsvertrag schmackhaft zu machen. Position um Position arbeitet sie ab: Rente ("Da haben wir herausgeholt, was ging mit den Schwarzen"). Parität bei den Krankenkassenbeiträgen ("Riesenerfolg"). Mehr Pflegekräfte ("Allein dafür würde ich dem Vertrag zustimmen").

Das Ganze sei ein Paket, das sich sehen lassen kann, findet Nahles. Und überhaupt: Die SPD werde gebraucht. Gerade jetzt, wo die "Kanzlerinnendämmerung" eingesetzt habe.

Auch enttäuschte Gesichter im "Freischütz"

So etwas hört man eigentlich gern am Aschermittwoch, wenn man ein rotes Parteibuch besitzt. Aber irgendwie will der Funke nicht recht überspringen.

Der Applaus ist freundlich. Aber man sieht auch viele enttäuschte Gesichter im "Freischütz". Keine einfache Zeit für die SPD.

Stand: 14.02.2018, 20:53

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