Vom Bruder Leichtfuß zum Kanzlerkandidaten

Armin Laschet vor CDU-Logo

Vom Bruder Leichtfuß zum Kanzlerkandidaten

Von Christian Wolf und Stefan Lauscher

So kräftezehrend der Kampf um die Kanzlerkandidatur auch war - für Armin Laschet war die Erfahrung nicht neu. Der Aachener war häufig erst im zweiten Anlauf erfolgreich.

Ob Armin Laschet ein Freund von rasanten und wilden Achterbahnen ist, ist bislang nicht überliefert. Mag er den Nervenkitzel, den steilen Aufstieg und den freien Fall? Vielleicht rückt der CDU-Politiker irgendwann einmal damit raus, dass all das zu seinen Leidenschaften gehört. In politischer Hinsicht kennt sich Laschet auf jeden Fall mit turbulenten Achterbahnfahrten aus.

Corona-Rüffel der Kanzlerin

Allein die vergangenen Monate waren ein ständiges Auf und Ab. Auf die Wahl zum neuen CDU-Bundesvorsitzenden folgte ein rasanter Abstieg mit Rekordverlusten in Umfragen und einem Corona-Rüffel der Kanzlerin vor Millionen Fernsehzuschauern.

Markus Söder und Armin Laschet geben nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung der Regierungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen eine Pressekonferenz.

Laschet konnte sich gegen Söder durchsetzen

Doch plötzlich ist die Laschet-Achterbahn wieder ganz oben angekommen. Der Aachener soll Kanzlerkandidat von CDU und CSU werden - und könnte ab Herbst in einer Reihe mit Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Angela Merkel genannt werden. Dann könnte es nach der Bundestagswahl heißen: Bundeskanzler Armin Laschet.

Oft erst im zweiten Anlauf erfolgreich

Es wäre der Höhepunkt einer politischen Karriere, die alles andere als gradlinig verlaufen ist und nur über viele Umwege ins Kanzleramt geführt hat. Zur Biografie Laschets gehört auch, dass er mehrfach parteiinterne Wahlen verloren hat, anderen den Vortritt lassen musste und erst im zweiten Anlauf erfolgreich war: 2012 CDU-Landesvorsitzender, 2013 Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag, 2017 NRW-Ministerpräsident.

Doch mittlerweile ist etwas anders. Schon beim CDU-Bundesvorsitz hat es gleich im ersten Anlauf geklappt. Und auch jetzt bei der Kanzlerkandidatur hat Laschet mit Markus Söder einen starken Konkurrenten hinter sich gelassen.

Keiner, dem die Herzen zufliegen

Dabei war und ist Armin Laschet kein Überflieger. Kein großer Kommunikator. Keiner, dem die Herzen zufliegen. Eher der emsige Arbeiter. Wenn andere Ministerpräsidenten mit schnellen Ankündigungen vorpreschen, denkt Laschet lieber noch einmal nach, hört sich Argumente an, wägt ab. Seine Kritiker nennen das "zögerlich". Er selbst sagt: "Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierung, aber ich bin Armin Laschet."

Der Konsensmann: Markus Feldenkirchen über Armin Laschet

WDR RheinBlick 25.11.2020 32:54 Min. Verfügbar bis 25.11.2021 WDR Online


Download

Mal Lockerungen, mal Beschränkungen

Hannelore Kraft gratuliert Armin Laschet.

Hannelore Kraft ging, Armin Laschet übernahm in NRW

Seit fast vier Jahren ist dieser Armin Laschet Ministerpräsident des größten Bundeslandes, seit über einem Jahr muss er sich täglich an der Corona-Front bewähren. Laschet selbst nennt es "ein Stahlbad". Sein Krisenmanagement war nicht immer pannenfrei. Kritiker bemängeln, dass keine klare Linie erkennbar sei. Mal präsentiere sich Laschet als der große Lockerer, mal dränge er auf zusätzliche Beschränkungen.

Jüngstes Beispiel: Nach dem Vorwurf, die Corona-Notbremse mit zu vielen Ausnahmen zu umgehen, nahm sich Laschet erst ein paar Tage Bedenkzeit und zauberte dann an Ostern den "Brückenlockdown" aus dem Hut. Trotz aller Inkonsequenz: Nordrhein-Westfalen ist, auch im Vergleich zu anderen Bundesländern, bisher ganz gut durch die Krise gekommen.

Rheinische Frohnatur

Was auffällt: Auch nach vielen Jahren in der Politik hat sich Laschet eine rheinische Unverwüstlichkeit bewahrt. Er mag den Karneval, kann über sich selbst lachen und sagt, dass er "Spaß" an Politik habe. Das sind Töne, die man im verbissenen Berlin nicht von jedem hört.

Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, zeigt bei der Bekanntgabe zum Aachener Karnevalsorden einen Vogelkäfig, auf dessen Spitze ein Vogel sitzt.

Laschet ist in Aachen und im Karneval verwurzelt

Hinter sich gelassen hat er in den vergangenen Jahren das Image des Bruder Leichtfuß. Trotzdem werden die Geschichten aus dieser Zeit immer wieder gerne herausgekramt. Dazu zählt die des Uni-Lehrbeauftragten Laschet, der mal die Klausuren seiner Studenten verbummelte und die Noten dann einfach freihändig vergab - sogar an diejenigen, die gar nicht mitgeschrieben hatten.

Sohn eines Bergmanns - mit Europa im Herzen

Auch das Rütteln am Zaun des Kanzleramtes ist nicht sein Stil. Der dreifache Familienvater mit Reihenhaus in Aachen-Burtscheid ist bodenständig, aufgewachsen im katholischen Milieu, Sohn eines Bergmannes. Europa ist ihm wichtig, nicht erst seit seiner Abgeordnetenzeit im EU-Parlament.

Und das Programm? Armin Laschets Programm ist klar. Es heißt: Weiter so. Mitte. Merkels Mitte. "Ich finde, wir sollten soviel Kontinuität wie möglich dieser Politik der Mitte erhalten", sagt er. Perspektivisch würde er auch im Bund wohl gerne mit der FDP regieren - so wie in NRW. Aber auch Schwarz-Grün wäre für Laschet kein Problem. Den beschlossenen Kohleausstieg reklamiert er bereits als seinen Erfolg.

Achterbahnfahrt mit ungewissem Ende

Ob aus dem Kanzlerkandidaten überhaupt ein Kanzler wird, gilt nicht als sicher. Die Umfragen zeigen, dass es nach der Ära Merkel keinen Automatismus mehr gibt, dass die CDU den Kanzler stellt. Laschet wird kämpfen müssen - viel härter, als er es in Nordrhein-Westfalen bislang gewohnt war. Die Achterbahnfahrt des Armin Laschet könnte noch am Abend der Bundestagswahl in einer steilen Abfahrt enden.

Stand: 20.04.2021, 12:03

Weitere Themen