Experten: Geldautomaten sind in 5 Minuten gesprengt

Heftige Geldautomatensprengung in Bünde

Experten: Geldautomaten sind in 5 Minuten gesprengt

Von Benjamin Sartory

Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen hat sich in NRW in drei Jahren verdoppelt. Im Landtag haben deshalb Experten diskutiert, was man dagegen tun kann.

Geldern im Kreis Kleve am Donnerstagmorgen. Nach einer Explosion in einer Bankfiliale melden Polizisten ein wahres Trümmerfeld. Neben dem Geldautomaten ist auch das Gebäude massiv beschädigt, ein Statiker wird hinzugezogen.

Sprengung von Geldautomaten verdoppelt

Die Zahl solcher Geldautomat-Sprengungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nach einem Antrag der SPD-Fraktion debattierten darüber am Donnerstag Experten in einer gemeinsamen Sitzung des Innen- und des Rechtsausschusses des Landtages.

Das Düsseldorfer LKA berichtete dabei von 176 Fällen im vergangenen Jahr, knapp doppelt so viele wie noch drei Jahre zuvor. "Ein brandgefährliches Phänomen", nannte das Sven Wolf von der SPD. Es sei reines Glück, dass bisher niemand schwer verletzt wurde.

Sprengung dauert fünf Minuten

Im vergangenen Jahr kamen laut LKA knapp 80 Prozent der Tatverdächtigen aus den Niederlanden, in vielen Fälle seien sie nordafrikanischer Herkunft gewesen. Wohl auch aufgrund der gestiegenen Sicherheitsmaßnahmen und wegen des wachsenden Fahndungsdruckes im Nachbarland würden sie auf NRW ausweichen. Die eigentliche Tat dauere hier oft nur fünf Minuten.

Das LKA verwies in einer Stellungnahme auf Erfolge der eigens eingesetzten Ermittlungsgruppe "EK Heat". Allerdings seien die Ermittlungen nicht einfach. Denn die niederländische Polizei sei zögerlich beim Einsatz von Personal, was dann in anderen Bereichen fehlen würde.

Zuletzt habe es aber wieder positive Signale gegeben, seit Mai beschäftige sich eine Ermittlungskommission in Utrecht mit der Sprengung von Geldautomaten und den Tätern.

Einfach weniger Geldautomaten aufstellen?

Oliver Huth vom Bund deutscher Kriminalbeamter forderte dennoch eine bessere Zusammenarbeit mit den Niederländern. Die Landesregierung müsse das als "außenpolitische Angelegenheit" betrachten, sagte er im WDR-Interview. Ähnlich sah es die SPD. Beide forderten darüber eine bessere personelle Ausstattung der Ermittler.

Oliver Huth, Bund deutscher Kriminalbeamter

Oliver Huth, Bund deutscher Kriminalbeamter

Neben Fahndungserfolgen bleibt die Prävention. Schon heute sind manche Bankvorräume mit Nebelwerfern ausgestattet, die den Tätern nach der Explosion die Sicht nehmen. Diskutiert wird außerdem im Moment über Verklebetechniken, die Geldscheine im Ernstfall unbrauchbar machen.

Für das LKA wäre es allerdings auch ein Mittel, einfach den Bestand von Geldautomaten zu reduzieren. In den gesamten Niederlanden zum Beispiel würden weniger stehen als in NRW. Die SPD nannte solche Überlegungen dagegen ein "falsches Signal gegenüber den Kriminellen".

Täter nutzen heftigeren Sprengstoff

Der Bankenverband teilte mit, dass die Branche erheblich in Gefahrenabwehr investiere. In der Folge würden Täter nun oft brisanteren Sprengstoff statt des bisher häufig genutzten Gases einsetzen. Gleichzeitig verwies der Verband darauf, dass die Fallzahlen in den vergangenen Monaten zurückgegangen seien.

Das LKA bestätigt diesen neuesten Trend. Allerdings sei das vermutlich nicht nur auf Ermittlungserfolge zurückzuführen. Vielmehr hätten die nächtlichen Corona-Ausgangsbeschränkungen in den Niederlanden auch die Mobilität der Täter eingeschränkt. Ob dieser Trend anhält, ist also fraglich.

Stand: 24.06.2021, 14:30