Angeklickt: Facebook will Vertrauen zurückgewinnen

Angeklickt: Facebook will Vertrauen zurückgewinnen

Diese Woche hat Facebook in deutschen Zeitungen ganzseitige Anzeigen geschaltet. Um sein Image aufzupolieren und Vertrauen zurückzugewinnen. Aber was steckt genau dahinter, was weiß Facebook tatsächlich über uns, was können wir wieder löschen – und klappt das auch? Netzkenner Jörg Schieb weiß Bescheid.

Facebook will Vertrauen zurückgewinnen. Versehentlich etwas gepostet? Oder irgendetwas veröffentlicht, was man später bereut? Lässt sich alles jederzeit wieder löschen – so die Botschaft der neuen Werbespots von Facebook. In dieselbe Richtung gehen die ganzseitigen Anzeigen, die Facebook derzeit in vielen Tageszeitungen schaltet. Eine millionenschwere PR-Kampagne: Anzeigen in Zeitungen, Werbespots im Fernsehen.

Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den Facebook da gerade beschreitet. In den klassischen Medien Präsenz zeigen, das ist bei den Vertretern der so genannten Neuen Medien nicht unbedingt üblich.

Offensichtlich trägt die anhaltende Kritik an Facebook, die immer lauter wird, Früchte, und das Vertrauen schwindet. Facebook muss umdenken und dem Nutzer mehr Möglichkeiten zur Kontrolle geben. "Mach Facebook zu Deinem Facebook" lautet der Slogan der Kampagne. Was Facebook vermitteln möchte: Wir haben angeblich die vollkommene Kontrolle über unsere Daten und alles, was wir veröffentlichen.

Was sich schon verbessert hat

Vieles hat sich gebessert: Mittlerweile kann man zum Beispiel eine Menge einstellen in den Untiefen der Privatsphäreeinstellungen. Das ist zwar längst nicht so komfortabel und übersichtlich wie bei Google, doch immerhin: Ich kann bestimmen, wer was zu sehen bekommt.

Das war auch nicht immer so und ist erst nach und nach dazugekommen, weil der Druck zugenommen hat. Neues Thema ist nun also, dass man wieder löschen kann, was man versehentlich gepostet hat. Postings, Fotos und Videos kann man wieder entfernen, wenn man nicht mehr dazu steht, behauptet die Kampagne.

"Posts, Kommentare und Fotos kannst Du jederzeit löschen", heißt es bei Facebook. Stimmt: Mittlerweile hat man die Möglichkeit, Texte oder Fotos zu löschen, wenn man nicht mehr dahinter steht. Das geht vergleichsweise einfach und funktioniert in der Regel auch. Manchmal reicht es, die Zielgruppe zu ändern in "Nur ich".

Wem gehört der Chatverlauf?

Problematisch wird es bei Chats. Denn wenn ich mit anderen Personen chatte, Zuhause in Facebook, auf dem Smartphone mit dem Facebook Messenger, dann gehört mir der Chatverlauf nicht. Ich teile ihn mit der Person, mit der ich kommuniziert habe. Chats lassen sich daher zwar löschen, die anderen Teilnehmer können die Inhalte aber nach wie vor sehen.

Posts, Fotos und Kommentare kann man also löschen - das ist aber auch schon alles. Den größeren Teil an Daten kann mna nicht löschen: Chats sind nur ein Beispiel. Vor allem aber kann man all die Daten nicht löschen, die Facebook über seine Nutzer sammelt. Man erfährt nicht einmal, welche Daten das sind.

Das Facebook-Imperium sammelt weiter Daten

Nicht zu vergessen: WhatsApp gehört ebenso zum Facebook Imperium wie der Bilderdienst Instagram. Auch wer hier unterwegs ist, versorgt Facebook also intensiv mit Daten. Das verrät Facebook seinen Nutzern nicht.

Wenn Facebook wirklich unser Vertrauen will, sollte das Unternehmen diese Daten transparent machen - und uns die Möglichkeit geben, darauf Einfluss zu nehmen. Wir sollten bestimmen können, welche Daten gesammelt werden und was mit den Daten passiert. Eine gesetzliche Regelung wäre mehr als angebracht. Wer aber hält Unternehmen wie Google, Facebook oder Microsoft davon ab, mit gutem Beispiel voranzugehen? Das wäre eine vertrauensbildende Maßnahme, die wirklich überzeugen würde.

Vieles bleibt Nutzerunfreundlich

Außerdem könnte auch alles einfacher sein. Wenige finden sich in den Privatsphäreeinstellungen zurecht, denn sie sind nicht besonders übersichtlich. Allzu große Anstrengungen unternimmt Facebook nicht, das alles benutzerfreundlich zu gestalten. Auch das Einrichten von geheimen, geschlossenen Gruppen ist eher schwierig, sogar für erfahrene Nutzer.

Umgekehrt löscht Facebook immer wieder, was dem Unternehmen nicht passt: Kunstwerke, prämierte Kriegsfotos, kritische Postings. Facebook ist mit einer Allmacht ausgestattet, die immer mehr Leute stört.

Wichtiger als eine teure PR-Kampagne wäre daher ein Richtungswechsel: Mehr Transparenz, mehr Mitbestimmungsrechte für die User – und keine Willkür mehr, was erlaubt ist und was nicht auf Facebook.

Stand: 04.11.2016, 18:04

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