U-Ausschuss Anis Amri: LKA-Zeuge belastet BKA

LKW  steht nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, Berlin.

U-Ausschuss Anis Amri: LKA-Zeuge belastet BKA

Von Thomas Drescher

  • Polizist aus NRW erhebt Vorwürfe gegen BKA
  • V-Mann mit Kontakt zu Amri sollte "aus dem Spiel genommen" werden
  • BKA-Zeuge kann sich Vorwürfe nicht erklären

Vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags hat ein Polizeibeamter des Landeskriminalamtes NRW am Montag (02.12.2019) schwere Vorwürfe gegen das Bundeskriminalamt wiederholt. Der verantwortliche Terrorismusexperte des BKA, ebenfalls als Zeuge geladen, wies diese Vorwürfe zurück.

Erstmals hatte der LKA-Beamte aus NRW Mitte November im Untersuchungsausschuss des Bundestages dem BKA vorgeworfen, es habe den wichtigen V-Mann "Murat" mundtot machen wollen. Dieser habe Kontakt zu Anis Amri gehabt und eindringlich vor ihm gewarnt. Vor drei Jahren war Amri mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gefahren und hatte 12 Menschen getötet.

Vorwurf 1: V-Mann Murat sollte "aus dem Spiel genommen" werden, weil er "unglaubwürdig" sei

Dreh- und Angelpunkt sind Besprechungen im Februar 2016, zehn Monate vor dem Anschlag. "Murat" oder VP01, wie er intern genannt wurde, soll eine der wichtigsten Quellen der nordrhein-westfälischen Terrorfahnder gewesen sein und sie auf die Spur des Predigers "Abu Walaa" gesetzt haben. Dieser soll Kämpfer für den Islamischen Staat (IS) rekrutiert haben.

Amri

Anis Amri

15 Jahre lang habe VP01 wertvolle Informationen aus der islamistischen Szene geliefert, sagte der LKA-Mann, Kriminalhauptkommissar M., dem U-Ausschuss. Doch plötzlich hätten die Terrorexperten des BKA den V-Mann nicht mehr für glaubwürdig gehalten. Da gab es von VP01 bereits Warnungen vor einem Tunesier, der angeblich Sprengstoff und Sturmgewehre aus Frankreich und Italien beschaffen und einen großen Anschlag vorbereiten wollte.

Derlei Warnungen gab es nach den Anschlägen von Paris Dutzende, sagte der BKA-Terrorexperte Sven K., der ebenfalls als Zeuge geladen war. Seine Leute hätten es für extrem unwahrscheinlich gehalten, dass ein V-Mann präzise Angaben über gleich mehrere Anschläge machen könne. VP01 hatte den Behörden Pläne für einen "kleinen Bumms und einen großen Bumms" gemeldet. Daraufhin war im November 2015 das Länderspiel Deutschland gegen Niederlande in Hannover abgesagt worden.

In den Augen des BKA war VP01 wertvoll, weil er über Personen und Strukturen Auskunft geben konnte. Aber seine Anschlagsvorhersagen galten dem BKA als wenig belastbar.

Stand: 02.12.2019, 20:20