AfD-Chefs NRW: Streit um geplanten Höcke-Auftritt

AfD-Sprecher Helmut Seifen (li.) und Thomas Röckemann

AfD-Chefs NRW: Streit um geplanten Höcke-Auftritt

Von Christoph Ullrich

  • Geplanter Auftritt von AfD-Rechtsaußen Höcke
  • Offener Streit im NRW-Vorstand der Partei
  • Co-Chef Seifen greift anderen AfD-Chef Röckemann an

Wegen eines Auftritts des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke gibt es einen offenen Streit in der NRW-Parteiführung. Höcke gilt als Gesicht des völkisch-nationalen Flügels in der AfD. Am Freitag (02.11.2018) will Höcke in Bottrop eine Rede halten.

Der AfD-Verband Münster hat die Veranstaltung organisiert. Einer der Landeschefs in NRW, Helmut Seifen, hat in einem Schreiben an die Mitglieder diesen Auftritt deutlich kritisiert. Es liegt dem WDR vor, zuerst hatte der Stern darüber berichtet.

Vorstandspapier legt Spaltung offen

In dem Papier übt Seifen deutliche Kritik. Er sei sich sicher, dass die "Mehrheit der Mitglieder einen Auftritt von Herrn Höcke in Bottrop ablehnt".

Seifen warnt davor, dass solche Veranstaltungen für politische Gegner reichen könnten, die NRW-AfD "über Jahre als ultrarechten Kreis hinzustellen". Auch fordert er von seinem Co-Chef Thomas Röckemann eine Abgrenzung.

Streit zwischen Landesvorsitzenden eskaliert

Björn Höcke

Björn Höcke macht Wahlkampf im Sommer 2016 in Mecklenburg-Vorpommern.

In dem Papier wird Röckemann vorgeworfen, dem restlichen Vorstand nicht rechtzeitig von Höckes Rede informiert zu haben. Röckemann ist Vertreter des rechten Flügels in der Landespartei.

Gemeinsam mit dem Abgeordneten Christian Blex sucht er immer wieder die Nähe zum völkisch-nationalen Flügel der Partei. Röckemann will auch neben Höcke in Bottrop reden. Für Helmut Seifen ein Unding. Seifen fordert in dem Papier seinen Co-Chef, aber auch Blex, dazu auf, die Aktivitäten des äußerst rechten Flügels in NRW einzustellen.

"Lieber Höcke als Laschet"

Röckemann selber reagierte mit einer Pressemitteilung und griff Seifen scharf an. Es schwebe noch immer ein "spalterischer Ungeist" durch den Landesverband. Röckemann finde es befremdlich, wenn Parteikollegen "lieber Armin Laschet die Hand reichen als Björn Höcke."

Streit lähmt Landesverband

Damit tritt ein seit Monaten schwelender Richtungsstreit offen zutage und wird kaum zu besänftigen sein. Der NRW-Landesverband gibt sich gerne gemäßigt, will eine bürgerlich-konservative Alternative sein. Allerdings fallen einzelne Mitglieder immer wieder durch eine Nähe zu rechten Organisationen auf.

Zuletzt war der AfD-Abgeordnete Roger Beckamp auf dem Podium bei einer Diskussion im Haus der Identitären Bewegung. Die sogenannte IB wird vom Verfassungsschutz beobachtet und steht im Verdacht, rechtsextrem zu sein.

Seit Seifen und Röckemann im Amt sind, ist außerdem das Binnenverhältnis im NRW-Verband immer wieder Thema. Auf Parteitreffen wurde bis zuletzt die schleppende Aufnahme von Neumitgliedern von der Basis kritisiert. Auch sind nach bald einem Jahr Amtszeit wichtige Posten in der Partei noch nicht besetzt.

Populistische Stimmungsmacher und ihre Schattenspender

Dok 5 - Das Feature 14.10.2018 43:49 Min. WDR 5

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Stand: 31.10.2018, 08:18