AfD-Landesvize Schild tritt zurück

Leeres Podium mit Mikrofon beim AfD-Bundesparteitag

AfD-Landesvize Schild tritt zurück

Von Wigbert Löer

Michael Schild wirft sein Amt als stellvertretender Landeschef der NRW-AfD hin. Parteichef Rüdiger Lucassen kritisiert er - und sieht ihn trotzdem schon als nächsten Bundesvorsitzenden.

Michael Schild, AfD

Michael Schild tritt als AfD-Vize in NRW zurück

Als der AfD-Landesvorstand am Mittwochabend zur Präsenzsitzung zusammenkam, ahnte wohl niemand der Versammelten, dass sich das Führungsgremium noch weiter minimieren würde. Genau dies ist an diesem Donnerstagmorgen passiert: Nach WDR-Informationen trat der Vize-Vorsitzende Michael Schild zurück. Er ist binnen Monaten bereits das dritte Vorstandsmitglied des größten AfD-Landesverbands, das freiwillig ausscheidet.

"Die AfD ist fest im Randspektrum angekommen und wirkt jetzt sogar als Stabilisator der Verhältnisse, als identifizierbares Sammelbecken der Unzufriedenen, aber ohne Machtoption", begründete Schild seinen Schritt gegenüber dem WDR.

Attacke auf AfD-Landesparteichef Lucassen

Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen, wo die rechte Partei bei der Bundestagswahl 7,1 Prozent der Stimmen erhielt und damit weit hinter dem Bundesergebnis zurückblieb, greift Schild vor allem Landeschef Rüdiger Lucassen an. Der habe es vermocht, "mit Matthias Helferich den jüngsten 'Polit-Rentner' in den Bundestag zu schicken" und die AfD so geschwächt. Der neue Bundestagsabgeordnete Helferich ist nach der Wahl nicht in die AfD-Fraktion aufgenommen worden. Der Lucassen-Truppe, so Schild, müsse das schon vorher klar gewesen sein.

Der WDR hatte im Sommer Chat-Äußerungen Helferichs öffentlich gemacht, in denen der Dortmunder Jurist sich als "freundliches gesicht des ns" bezeichnete und schrieb, er habe den "demokratischen Freisler" geben wollen. Der NSDAP-Politiker Roland Freisler war unter Hitler Präsident des Volksgerichtshofs und einer der zynischsten hochrangigen Vertreter Nazi-Deutschlands.

Laut Schild wird im Falle Helferich in Nordrhein-Westfalen "nach Kräften die vom Bundesvorstand geforderte Amtsenthebung verzögert". Tatsächlich hat das Landesschiedsgericht nach etlichen Wochen noch nicht entschieden, ob es Helferich aller Ämter enthebt, wie es der Bundesvorstand der AfD beantragt hat.

Kandidatur von Lucassen für AfD-Parteispitze erwartet

AfD-NRW-Chef Rüdiger Lucassen sitzt alleine auf Bänken im Bundestag

NRW-AfD-Chef Rüdiger Lucassen

Der AfD-Landesvorsitzende Lucassen, der als enger Vertrauter Helferichs gilt, hat sich unterdessen bereits als möglicher Nachfolger des scheidenden AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen ins Gespräch gebracht. Schild geht davon aus, dass Lucassen bei dem Bundesparteitag im Dezember neuer Ko-Bundesvorsitzender neben Tino Chrupalla wird, "offenbar mit freudiger Zustimmung des malenden Ko-Vorsitzenden", sagte Schild. Damit ist Malermeister Chrupalla gemeint.

Die Prognose des Insiders Schild an seine Parteifreunde: "Ihr werdet einen Bundessprecher aus NRW nicht einrahmen können. Er wird sein persönliches Werk weiterführen, bis die AfD nicht wiederzuerkennen ist.“ NRW sei nur ein Zwischenschritt. "Das Ego hat noch großen Hunger!"

Lucassen wird AfD-intern dem so genannten Neo-Flügel zugerechnet, einer Gruppierung, die sich in Nordrhein-Westfalen über die langjährigen Höcke-Fans wie auch über die nach eigener Ansicht gemäßigten Kräfte stellt. Der Neo-Flügel gibt vor, die Partei einen zu wollen und versucht, Spitzenpositionen zu besetzen. Von den extremen Positionen des Höcke-Flügels ist er nicht weit entfernt, erfährt die Unterstützung von Teilen der Parteijugend Junge Alternative und hat in seinen Reihen auch etliche Parteifreunde integriert, die vor allem am eigenen Fortkommen interessiert sind.

Bevor Lucassen sich als Bundesvorsitzender bewerben kann, wählt die AfD in Nordrhein-Westfalen an diesem Wochenende erst einmal ihre Kandidatenliste für die Landtagswahl 2022. Aus Parteikreisen heißt es, dass die ersten beiden Listenplätze bereits ausgekungelt seien. Auf diese Spitzenpositionen bewerbe sich jeweils nur ein Mitglied, angeblich der aktuelle Fraktionsvorsitzende Markus Wagner und das Landtagsmitglied Martin Vincentz.

Stand: 21.10.2021, 12:00

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