AfD und Werteunion in NRW: Gibt es regelmäßige Treffen?

Christoph Ullrich

  • NRW-AfD spricht von engem Draht zu Werteunion der CDU
  • Konservativer Verein dementiert Austausch mit AfD
  • NRW-CDU lehnt Zusammenarbeit ab

Wie hält es die CDU mit der AfD? Geht es nach den Mitgliedern der sogenannten Werteunion (WU), dann darf es ruhig etwas lockerer sein. Während die CDU-Spitze eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt, arbeiten prominente Vertreter der Unions-Konservativen daran, diesen Umstand zu ändern.

Wenig überraschend ist daher, was der Kölner Stadt-Anzeiger am Samstag (15.02.2020) berichtet. Der Landeschef der AfD, Rüdiger Lucassen, spricht von einem engen Draht zum konservativen Verein mit CDU-Nähe. Von "monatlich bis zu sieben Treffen oder Telefonaten" ist die Rede. "Um auszuloten, was inhaltlich geht", sagt der Bundestagsabgeordnete Lucassen. Seine Büroleiterin bestätigt dem WDR die Äußerungen. Auch dass CDU-Bundestagsabgeordnete beteiligt seien.

Vereinzelte Nähe schon länger vorhanden

Eine offensichtliche Nähe zwischen der Werteunion und der AfD in Nordrhein-Westfalen ist schon seit längerem zu beobachten. Bestes Beispiel ist der unlängst als Sprecher der Werteunion zurückgetretene Anwalt Ralf Höcker. Seine Kanzlei hat den AfD-Landesverband schon mehrfach vertreten, sogar bei regulären Presseanfragen.

Landes-CDU grenzt sich klar nach Rechts ab

NRW-Ministerpräsident Laschet (CDU) hält eine Zusammenarbeit mit der AfD für ausgeschlossen, und die Bedeutung der Werteunion innerhalb der CDU für überschätzt. Interne Kritik bekommt er kaum, seine Meinung ist - zumindest bis jetzt - Konsens. Daran hat auch die Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen nichts geändert. Im Gegenteil: Der starke Sozialflügel der NRW-CDU veröffentlichte unlängst die Forderung, eine Mitgliedschaft in Werteunion und CDU sei miteinander unvereinbar.

Die Äußerungen des AfD-Landeschefs Lucassen dürften damit eher den Druck auf die Werteunion erhöhen. Entsprechend deutlich und verärgert dementiert die WU-Landessprecherin Simone Baum den engen Austausch mit den parlamentarisch ganz Rechten. Sie spricht von einer "Schmutzkampagne der AfD", es gebe offiziell keinerlei Gespräche. Und wenn, "dann sind sie unautorisiert", sagt Baum im WDR-Gespräch.

Somit steht zwar Aussage gegen Aussage, aber die Reaktion auf das, was der AfD-Chef sagt, zeigt, wie nervös die Debatte um die Abgrenzung der Union zur AfD im Moment geführt wird. Selbst in den konservativsten Kreisen der CDU, wo nicht wenige glaubten, nach Thüringen werde die Abgrenzung zur AfD nicht mehr lange Bestand haben.