Steht Impfstudie mit Kindern vor dem Aus?

Eine Grippeimpfung

Steht Impfstudie mit Kindern vor dem Aus?

Von Moritz Börner

Fast 30.000 Kinder sollten im Rahmen einer Studie im Kreis Siegen-Wittgenstein geimpft werden. Nach einem Erlass des Landes steht die Studie vor dem Aus.

Forscher der Universitäten Siegen, Bochum und Saarland hatten die Studie initiiert. Ziel ist, die aktuellen Impfungen zu beschleunigen und unter anderem auch die Rolle von Kindern und Jugendlichen bei der Weitergabe von Infektionen zu untersuchen. Die Ärzte gehen davon aus, dass Seuchen sich an Schulen und Universitäten am schnellsten verbreiten. 

Land lehnt generelle Impfung von Kindern ab

Doch ob die Studie jetzt tatsächlich wie geplant durchgeführt werden kann, ist ungewiss. Das liegt daran, dass die Forscher die Impfungen der zwölf bis 18 Jahre alten Kinder und Jugendlichen an einem Impfzentrum der Stadt Siegen durchführen wollten.

Das Impfzentrum wiederum wird vom Land NRW betrieben, das die generelle Impfung von Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren ablehnt. Bisher sind diese Impfungen nur in Ausnahmen möglich, zum Beispiel bei Vorerkrankungen. Damit hält das Land sich an die Vorgaben der ständigen Impfkommission.

"Die Entscheidung der Stiko ist klar", sagt Gesundheitsminister Karl - Josef Laumann, "ich habe hier in NRW eine Besprechung gemacht, mit den führenden Kinder- und Jugendärzten, und alle teilen die Einschätzung. Da war nicht ein einziger bei, der gesagt hat, dass das, was die Stiko sagt, falsch ist."

Kreis Siegen an Weisungen des Landes gebunden

Konkret heißt das, dass die vom Land eingesetzten Ärzte des Impfzentrums in Siegen die jungen Teilnehmer der Studie nicht impfen dürfen. Das Ministerium schreibt auch vor, dass die Impfungen in einem räumlich vom Rest des Impfzentrums abgetrennten Bereich stattfinden müssen, auch das läßt sich nur schwer realisieren.

Kreis Siegen - Wittgenstein bedauert Absage

Dabei hätte der Kreis Siegen - Wittgenstein die Studie offenbar gerne ermöglicht. “Wir hätten die Studie gerne mit begleitet”, sagt ein Sprecher des Kreises, “aber wir sind an die Weisungen des Landes gebunden, darum hat man entschieden, dass man die Studie nicht macht!”

Studie könnte vor dem Aus stehen

Für die drei Universitäten Bochum, Siegen und Saarland, deren Forscher sich für die Studie zusammen getan hatten, ist die Absage des Kreises ein harter Rückschlag. Sie müssten nun selber einen Ort für die Durchführung der Studie finden und auch ausreichend Kinderärzte, die die Impfungen durchführen.

Forscher im Dilemma

Wir bedauern natürlich, dass die Studie für die unter 16 - jährigen unter den jetzt bekannten Bedingungen nicht durchgeführt werden kann,” sagt André Zeppenfeld von der Universität Siegen.

Für die Forscher ist die Situation ein Dilemma: Die Stiko spricht keine Empfehlung für Impfungen von Kindern aus, weil es dazu keine ausreichenden Forschungsdaten gibt. Ohne Studien wie die jetzt in Siegen geplante wird sich das aber auch kaum ändern. Wie und ob die Studie überhaupt noch durchgeführt wird, darüber wollen die beteiligten Universitäten jetzt gemeinsam beraten.

Stand: 14.07.2021, 14:07