Verkehr in NRW soll "digitaler" werden

Verkehr in NRW soll "digitaler" werden

Von Arne Hell

Verkehrsminister Wüst möchte NRW zu einer Modellregion für neue digitale Verkehrskonzepte machen. Auf einer Konferenz des „Bündnisses Mobilität“ wird klar: Dafür ist noch viel zu tun.

Dass das NRW-Verkehrsministerium neue Wege geht, erkennen auch Kritiker an. Mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr, eine neue Einheit für digitale Konzepte und ein Planungsteam extra für Radwege. "Auf der anderen Seite wird eine klare Straßenbau- und ‚Auto-Vorrang-Politik‘ betrieben", sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Arnd Klocke, "das kann in Zukunft nicht so weitergehen."

Diesem Vorwurf widerspricht das Verkehrsministerium. Minister Henrik Wüst (CDU) betonte auf dem "Bündnis-Tag Mobilität" mehrfach, wie viel Geld in den kommenden Jahren in den ÖPNV gesteckt wird. Alleine mit 100 Millionen Euro will er dafür sorgen, dass man in Zukunft für Busse und Bahnen NRW-weit einheitlich ein e-Ticket kaufen kann – ohne Rücksicht auf das Geflecht der einzelnen Verkehrsverbünde.

NRW noch keine "Modellregion"

Nordrhein-Westfalen habe sich zu einer Modellregion für moderne Mobilität entwickelt – mit dieser Behauptung war Wüst in den Kongress gegangen. Die etwa 1500 Teilnehmer, meistens Fachleute, die an ihren Computern den verschiedenen Diskussionen zuhörten, mussten den Eindruck gewinnen: So weit ist es noch lange nicht. Zu groß sind dafür noch die Herausforderungen, den Verkehr intelligenter zu steuern.

Beispiel Verkehrs-Apps: Bisher gibt es keine einzige, die einem alle möglichen Fortbewegungsmöglichkeiten auf einmal anzeigt und mit der man gleichzeitig auch noch Tickets buchen kann.

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Oder Car-Sharing: Schon in mittelgroßen Städten wird es schwierig, für den Weg von der Haltestelle nach Hause schnell mal ein Leih-Auto zu buchen. Und der Radverkehr? In vielen Städten fehlt es schlicht am Personal und am Willen, die bestehenden Radwege breiter und sicherer zu machen. Vertreter des ADFC, den größten Fahrrad-Klubs in Deutschland, waren auf dem Mobilitäts-Tag nicht als Redner eingeladen.

"Ohne Einschränkungen für das Auto reicht es nicht"

Als Vorbilder wurden auf dem Kongress zwar mehrfach Wien und Kopenhagen genannt – Städte, in denen das Auto inzwischen deutlich seltener in der Innenstadt unterwegs ist. Über Einschränkungen für Autos wurde auf dem Mobilitäts-Tag allerdings nur am Rande diskutiert.

"Da mogeln wir uns in Deutschland immer so ein bisschen drumherum", findet Barbara Lenz, Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, "wir glauben, wenn wir das Angebot nur wunderschön und schick machen, dann klappt alles von allein." Aber ohne Einschränkungen für das Auto reiche das nicht aus.

Einig waren sich alle, dass die Zukunft den alternativen Antrieben gehört, also Elektro- oder Brennstoffzelle. Viele Verkehrsbetriebe beschrieben, wie sie gerade ihre Flotte auf E-Busse umrüsten. Ein anderes Konzept für lange Strecken: In Aachen wird an leisen Flug-Taxis geforscht, die fünf Personen transportieren können sollen. 2024 wird die Zulassung angestrebt.

Modellversuch: Bus-Taxis in Münster

In Münster läuft ein Modellversuch, der deutlich bodenständiger daherkommt. Dort können sich die Menschen in einigen Stadtteilen ein Fahrzeug nach Hause bestellen.

"Das ist ein Zwischending aus Taxi und Linienbus", erklärt Maximilian Webers von der Betreiberfirma door2door, "man ruft sich ein Fahrzeug, aber man ist nicht für sich, sondern man kann auf dem Weg zum Ziel weitere Fahrgäste aufnehmen." Das Ganze zum Preis einer normalen Bus- oder Bahnfahrkarte. So soll der Weg bis zur Haltestelle überbrückt werden, damit mehr Leute das Auto stehen lassen.

Stand: 10.02.2021, 19:13

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