Kurden demonstrieren in NRW gegen türkischen Militäreinsatz

Kurden demonstrieren in NRW gegen türkischen Militäreinsatz

  • Demonstrationen von Kurden in NRW wegen türkischem Militäreinsatz
  • Innenministerium: Polizei überprüft Sicherungsmaßnahmen
  • Expertin: "Stimmung bei den hier lebenden Kurden ist bedrückt"

Seit dem Beginn des türkischen Militäreinsatzes in Nordsyrien protestieren auch in NRW Kurden gegen die Offensive. Auch für Donnerstagabend (10.10.2019) sind Demonstrationen angekündigt - in Dortmund, Duisburg, Münster und Siegen.

Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums sagte, es habe am Dienstag und Mittwoch bereits mehrere Demonstrationen gegeben. "Bisher ist alles friedlich verlaufen."

In Köln demonstrierten Kurden laut Polizei am Mittwoch (09.10.2019) vor dem Hauptbahnhof. In Aachen protestierten etwa 130 Menschen in der Innenstadt. Am Düsseldorfer Flughafen war bereits am Sonntag eine Demonstration mit 300 Teilnehmern gegen die "Unterdrückung der Kurden" angemeldet worden.

Innenministerium: "Wir haben das im Auge"

Die Polizei überprüfe angesichts der sich entwickelnden Lage die Sicherung von türkischen Einrichtungen in NRW, so der Sprecher des Innenministeriums. Gegebenenfalls werde dies angepasst.

Der politische Hintergrund: Durch den Abzug der USA aus der Grenzregion fühlen sich die kurdischen Verbündeten im Syrien-Konflikt verraten.

Kurden – von allen verraten?

WDR 5 Tagesgespräch 09.10.2019 45:05 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 WDR 5

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"Abwarten, ob es friedlich bleibt"

"Verzweiflung" sei das bestimmende Gefühl bei vielen Kurden, sagte Jomana Djoumma aus der Cosmo-Redaktion. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, mit guten Kontakten in die kurdische Community.

Jomana Djoumma

WDR-Journalistin Jomana Djoumma

Ihre kurdische Tante lebe in den Flüchtlingsgebieten in Syrien, sagte Djoumma. Es sei eine "große Katastrophe". Kurden in NRW, davon viele seit 40 Jahren hier oder teils auch wegen des Syrien-Konflikts geflüchtet, müssten live im Fernsehen mit ansehen, wie Landsleute und Verwandte erneut fliehen müssten.

Auch deshalb sei mit Protestaktionen etwa vor türkischen oder auch US-amerikanischen Einrichtungen in Deutschland zu rechnen - ob es friedlich bleibe, müsse man abwarten, so Djoumma.

Kritik an Bundesregierung

Die Demonstrationen richteten sich an die Bürger in NRW, sagt der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn, Musa Ataman. Sie müssten über die Lage der Kurden informiert werden und darüber, dass die Bundesregierung nichts tue, um den Menschen in den Kurdengebieten Nordsyriens zu helfen.

Ataman kritisiert die "schweigende Haltung" der Bundesregierung. "Die Türkei finanziert den Militäreinsatz auch mit deutschen Steuernmitteln, die als Finanzhilfe in die Türkei fließen. Mit meinen Steuermitteln wird hier ein Krieg unterstützt", so Ataman.

Angst vor Erdogans Strategie

"Die Stimmung bei den hier lebenden Kurden ist bedrückt", sagte Metin Incesu vom Zentrum für Kurdische Studien e.V. in Bonn. Viele Kurden seien beunruhigt, was nun in Nordsyrien geschehen werde. Man sei ratlos und fühle sich von US-Präsident Donald Trump "im Stich gelassen".

Syrien: "Donald Trump lässt die Kurden fallen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.10.2019 05:08 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 WDR 5

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Stand: 10.10.2019, 15:51

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