Burak Çopur: "Kurdenkonflikt ist schon in Deutschland"

Burak Çopur: "Kurdenkonflikt ist schon in Deutschland"

  • Konflikt zwischen Türken und Kurden
  • Politikwissenschaftler: Eskalation in Deutschland möglich
  • Kurden sind in Angst um ihre Angehörigen in Syrien

Nach der Invasion der Türkei in Syrien: Eine Eskalation zwischen Kurden und Türken in Deutschland sei nicht auszuschließen, sagt Politikwissenschaftler und Türkei-Experte Burak Çopur von der privaten Hochschule IUBH Dortmund dem WDR am Sonntag (13.10.2019).

WDR: Wie hoch schätzen Sie die Gefahr einer Eskalation zwischen Kurden und Türken in Deutschland ein?

Burak Çopur

Politikwissenschaftler Burak Çopur

Burak Çopur: Die Gefahr einer weiteren Eskalation hängt maßgeblich ab vom Kriegsverlauf in Syrien. Je mehr sich die Lage vor Ort zuspitzt, desto mehr wird es auch zu Ausschreitungen in Deutschland kommen.

Hier sollten Sicherheitsbehörden vorsichtshalber schon in Alarmbereitschaft sein, weil die Entwicklung vor Ort derzeit ziemlich dramatische Züge annimmt.

WDR: Welche Rolle spielt die Angst um Angehörige in den Krisengebieten?

Çopur: Viele Kurden haben Familie und Verwandte in Syrien. Sie bangen um ihre Familie und Freunde vor Ort.

Die emotionale Bindung ist bei diesen Menschen mit Blick auf die Kriegsereignisse sehr groß. Und deshalb sind viele Kurden auch aufgebracht und gehen derzeit auf die Straße.

WDR: Was könnte dazu führen, dass Ausschreitungen zunehmen?

Çopur: In Berlin hat ein Wagen der türkischen Botschaft gebrannt, und in Nürnberg wurde ein türkischer Supermarkt angegriffen. Das sind alles Vorboten einer möglichen Radikalisierung. Der Kurdenkonflikt ist schon inmitten Deutschlands.

Wenn jetzt die Deutsch-Türken angestachelt und aufgewiegelt werden, dann kann es durchaus sein, dass Deutsch-Kurden und Deutsch-Türken ihre Kundgebungen gegenseitig angreifen oder auch anderweitig Menschen zu Schaden kommen.

Stand: 13.10.2019, 17:00

Aktuelle TV-Sendungen