"Graue Wölfe" provozieren bei Kurden-Demos in NRW

Eine Hand zeigt den "Wolfsgruß" der Grauen Wölfe

"Graue Wölfe" provozieren bei Kurden-Demos in NRW

  • Bei Kurden-Demos provozieren Anhänger der "Grauen Wölfe"
  • Auch in NRW wird der "Wolfsgruß" gezeigt
  • Großdemonstration in Köln geplant

Bei den Kurden-Protesten gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien ist die Stimmung gereizt. Immer wieder tragen Provokationen zur Eskalation bei: Auch in NRW war bei Demonstrationen der umstrittene Wolfsgruß der rechtsextremen türkischen "Grauen Wölfe" zu sehen.

In Herne wurde das Handzeichen nach Polizeiangaben aus einer Trinkhalle heraus gezeigt, an dem Kurden vorbeizogen. Daraufhin kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Nach einem Medienbericht provozierte auch in Bielefeld ein Mann mit dem Wolfsgruß.

Was der Wolfsgruß symbolisiert

Der Wolfsgruß ist ein Handzeichen, bei dem Ring- und Mittelfinger auf den Daumen gepresst und der kleine Finger sowie der Zeigefinger nach oben gestreckt werden. In Kindergärten und Schulen ist das Zeichen auch als Schweige- oder Leisefuchs bekannt.

Bei den Anhängern der rechtsextremen türkischen MHP-Partei, die sich selbst als "Graue Wölfe" bezeichnen, spielt das Zeichen offenbar auf den Mythos des blaugrauen Wolfs an. Dieser soll das urtürkische Volk der Göktürken aus einem Tal namens Ergenekon in die Welt hinausgeführt haben. So beschreibt es der baden-württembergische Verfassungsschutz.

Demnach gibt es aber auch die Legende eines kleinen Jungen, der als einziger Überlebender seines Stammes von einer Wölfin aufgezogen wurde. Die "Grauen Wölfe" tragen den Wolfskopf auch in ihrer Flagge.

Teile der "Grauen Wölfe" zeigen laut Verfassungsschutz eine rassistische Orientierung, vor allem gegenüber Armeniern, Griechen, Juden und Kurden.

Verfassungsschutz: Spontane Gegenaktionen

"Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes befinden sich unter den Teilnehmern von Gegenaktionen gegen kurdisch geprägte Versammlungen und Aufzüge auch Anhänger der rechtsextremistischen 'Grauen Wölfe'", teilte das NRW-Innenministerium dem WDR am Donnerstag (17.10.2019) mit.

Bislang handele es sich bei den Gegenaktionen "um spontane Zusammenkünfte, die weder angemeldet waren, noch einen Versammlungsleiter besaßen".

Viele Anhänger in NRW

Der Hintergrund: In der Türkei nennen sich die Anhänger der rechtsextremen MHP-Partei "Graue Wölfe". Zwischen der MHP und der AKP, der Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, gibt es enge politische Verbindungen.

Die "Grauen Wölfe" sind aber nicht nur in der Türkei aktiv, auch in Deutschland gibt es viele Anhänger. Laut Verfassungsschutz gibt es in NRW etwa 70 Vereine mit ungefähr 2.000 Mitgliedern.

Die Kurden sind die größte ethnische Minderheit in der Türkei. Die Türkei hat die Kurden jahrzehntelang nicht als Minderheit anerkannt, ihre Sprache war lange verboten und kurdische Autonomiebestrebungen wurden unterdrückt.

14.000 Demonstranten in Köln erwartet

Das Verhältnis zwischen Kurden und Türken ist deshalb angespannt. Für die nächsten Tage sind in NRW weitere Kurden-Demonstrationen angemeldet. Am Donnerstag sind es nach Angaben des Innenministeriums zehn Versammlungen mit insgesamt 2.500 Teilnehmern. Am Freitag sollen sich bei sechs Versammlungen rund 2.200 Protestierende treffen.

Bei einer Großdemonstration in Köln werden am Samstag 14.000 Teilnehmer erwartet. Die Polizei beurteile die Lage fortlaufend, so das Ministerium. "Darauf basierend treffen die Kreispolizeibehörden entsprechende Maßnahmen." Alle türkischen Generalkonsulate seien besonders geschützt.

Erdogans Kampf gegen die Kurden: Aufgeheizte Stimmung in NRW Westpol: Eins zu eins 17.10.2019 28:59 Min. Verfügbar bis 17.10.2020 WDR

Stand: 17.10.2019, 14:05

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