Dresdner Kunstraub: Alles sicher in NRW?

Aachener Domschatzkammer - Büste zeigt Karl den Großen

Dresdner Kunstraub: Alles sicher in NRW?

Von Karin Bensch und Giselle Ucar

  • NRW-Museen vertrauen ihrem Sicherheitskonzept
  • Land haftet in der Regel für öffentliche Museen
  • Bekannte Kunstwerke schwer verkäuflich
  • Liste spektakulärer Kunstdiebstähle in NRW

Der Schmuckraub von Dresden: Er ist auch in Nordrhein-Westfalen ein Thema. Zumal viele davon ausgingen, dass das Grüne Gewölbe ein gut gesichertes Gebäude ist, aus dem Kunstschätze in Millionenhöhe nicht so einfach gestohlen werden können.

Das könnte ein Weckruf für Museen und Schatzkammern in Nordrhein-Westfalen sein, ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen noch einmal zu überprüfen, und zu schauen, wo es eventuell Sicherheitslücken geben könnte, sagt Christoph Bouillon, Experte für europäisches Kunstgewerbe und Schmuck beim Kölner Auktionshaus van Ham.

Domschätze in Aachen, Essen, Köln

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es einige wertvolle Kunstschätze. Zum Beispiel die Domschätze in Aachen, Essen und Köln. "Wir haben am Kölner Dom ein sehr ausgefeiltes Sicherheitskonzept, das stetig neuen Anforderungen angepasst wird. Dazu stehen wir in regem Austausch mit den Sicherheitsbehörden", sagte ein Sprecher des Kölner Doms dem WDR auf Anfrage.

LWL-Museum in Münster ist gerüstet

Auch die Vorkehrungen für die Kunstausstellung des englischen Malers William Turner im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster werden nun nicht verschärft. "Wir haben bei internationalen Ausstellungen ein Sicherheitskonzept nach internationalen Standards, sonst würden wir diese hochkarätigen Kunstwerke gar nicht bekommen", sagt Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums.

Kunstgegenstände sind meist über private Versicherungsunternehmen versichert. Für gestohlene Kunstwerke aus öffentlichen Museen und Schatzkammern haftet in der Regel das Land.

Diebe stehlen Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden

WDR 3 Resonanzen 25.11.2019 05:19 Min. Verfügbar bis 24.11.2020 WDR 3

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Dresdner Diebesgut unverkäuflich auf dem Kunstmarkt

Was geschieht mit geraubten Kunstschätzen wie den Schmuckgarnituren aus dem Grünen Gewölbe in Dresden? "Die Stücke sind so bekannt, dass man sie sofort erkennen würde, insofern sind sie auf dem Kunstmarkt nicht verkäuflich", sagt Schmuck-Experte Christoph Bouillon vom Auktionshaus van Ham.

Er hält es für möglich, dass es sich dabei um einen Auftragsraub handelt. Möglicherweise wollte jemand genau diese Schmuckgarnitur August des Starken besitzen. Denkbar sei auch ein Raub, um Geld zu erpressen. Oder, dass die Kunstschätze zerstört werden, die wertvollen Steine herausgebrochen werden, um sie einzeln zu verkaufen.

Spektakuläre Kunstdiebstähle in NRW seit 2001
Wann?Was?Wo?Schaden?
2001Ölgemälde "Triton und Nereide" von Arnold BöcklinKünstlerverein Malkasten in Düsseldorfzwei Millionen DM
2002Baselitz-GemäldeGalerie Werner in Kölnmehr als 100.000 EUR
2003Zwei Picasso-Skulpturen (und zwei Gemälde)Museum Ludwig, Köln500.000 EUR
200327 Gemälde, u. a. von Emil Nolde und Andy WarholKölner Kunst- und Antiquitätenmesse Deutz1,8 Millionen EUR
2004Bild "Winterlandschaft" von Esaias van de VeldeWallraf-Richartz-Museum, Köln150.000 EUR
2006Ölgemälde von Max Ernst, Skulptur von A.R. PenckArt Cologneknapp 300.000 EUR
2007rund 550 Fotografien u. a. von Leni Riefenstahl und Helmut NewtonKellertrakt der Fotofirma "Estate", Kölnvier Millionen EUR
2008Acht Gemälde aus der Rudolf-August-Oetker-SammlungBankhaus Lampe, Düsseldorfrund 900.000 EUR
2008Expressionisten aus Grafiksammlung (unter anderem "Frauenbildnis" von Emil Nolde)Museum Gelsenkirchenmehrere 10.000 EUR
2009Bischofsstab des Kardinals von GalenBistum Münsterrund 50.000 EUR
2013Borghorster StiftkreuzNikomedeskirche, Borghorst7,7 Millionen EUR (Versicherungswert)
2018Bronzefigur "Athene" von Markus LüpertzDüsseldorfer Kunstgießereimehrere Tausend EUR
2019Bronzebüste, ÖlgemäldePrivatwohnung Erkrathrund 200.000 EUR

Stand: 26.11.2019, 14:57

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