Strom- und Gasvertrag gekündigt? Das müssen Verbraucher wissen

Strom- und Gasvertrag gekündigt? Das müssen Verbraucher wissen

Schlechte Nachrichten für tausende Strom- und Gaskunden: Anbieter erhöhen derzeit reihenweise massiv ihre Preise oder kündigen laufende günstige Verträge. Die Verbraucherzentralen raten zum Widerspruch.

In den vergangenen Wochen ist vielen Verbrauchern in Deutschland Post mit sehr unerfreulichen Nachrichten ins Haus geflattert. Ihr Strom- oder Gasanbieter hat ihnen den Vertrag gekündigt oder die Preise massiv erhöht.

Kündigung aus heiterem Himmel

Dazu gehören zum Beispiel Angela und Klaus-Peter Tietz aus Hückeswagen. Dem Ehepaar hat der Anbieter gas.de den Gasversorgungsvertrag Ende Dezember gekündigt: "Das macht mich echt sauer. Ich habe gedacht, das ist ein solides Energieunternehmen, dem ich trauen kann und das seit elf Jahren."

Gas-Preis verdoppelt

Stattdessen stellte der Versorger einfach Mitte Dezember die Gaslieferung ein und schickte das Kündigungsschreiben hinterher. Das Ehepaar Tietz bekommt sein Gas jetzt vom heimischen Grundversorger, zu deutlich höheren Preisen: "Das ist ein Sprung von 5,33 auf 10,5 Cent pro Kilowattstunde und wird bei gleichem Verbrauch Mehrkosten von etwa 820 Euro im Jahr ausmachen."

Hunderttausende Haushalte betroffen

So wie den Tietz geht es hunderttausenden Verbrauchern in ganz Deutschland. Allein gas.de habe etwa 300.000 Haushalten gekündigt, so die Verbraucherzentrale NRW, der zum selben Konzern gehördene Billig-Stromanbieter stromio rund 700.000 Kunden. Andere Anbieter wie Neckermannstrom oder Otima Energie GmbH haben sogar Insolvenz angemeldet. Auch davon sind tausende Haushalte betroffen.

Teure Energie vom Grundversorger

Sie alle stehen jetzt zum Glück nicht von einem Tag auf den anderen ohne Gas da, weil sie vom örtlichen Grundversorger übernommen werden. Aber die Strompreise steigen für die Kunden massiv. Denn der Grundversorger - das ist der Anbieter, der die meisten Haushalte vor Ort mit Energie versorgt - hat mit den neuen Kunden nicht kalkuliert und muss Strom oder Gas nun teuer zukaufen.

Einkaufspreise für Energie massiv angestiegen

Hintergrund für die Kündigungen sind die massiv gestiegenen Einkaufspreise, sagt Udo Sieveking von der Verbrauchernzetrale NRW. Viele Billig-Stromanbieter hätten den Verbrauchern zu Zeiten Verträge verkauft, als sie den Strom noch deutlich günstiger einkaufen konnten.

Verbraucherzentrale kritisiert Stromdiscounter

Mittlerweile sind die Einkaufspreise an den Energiemärkten so stark angestiegen, dass es vor allem den Billiganbietern schwerfällt sie zu refinanzieren und versuchten jetzt die für sie ungünstigen Verträge durch Kündigung loszuwerden: "Das ist eine Politik der Stromdiscounter auf dem Rücken der Kunden, die aus unsere Sicht rechtlich auch überhaupt nicht zulässig ist."

Widerspruch einlegen

Die Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, den Kündigungen in jedem Fall zu widersprechen und gegen stromio und gas.de auch Schadensersatz für die gestiegenen Energiekosten geltend zu machen. Entsprechende Musterschreiben hat die Verbraucherzentrale vorbereitet. Außerdem können Kunden den teuren Vertrag beim Grundversorger fristlos kündigen, sollten sie einen günstigeren Tarif bei einem anderen Anbieter finden.

Stand: 03.01.2022, 19:27

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