Kündigung zur Weihnachtszeit: "Stillos"

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Kündigung zur Weihnachtszeit: "Stillos"

  • Aufwühlend: Kündigungen zur Weihnachtszeit wie bei Aldi
  • Fachanwalt für Arbeitsrecht hält das für "stillos"
  • Was Betroffene wissen müssen

Von wegen schöne Bescherung: Aldi Süd hat am Dienstag (03.12.2019) und somit in der Weihnachtszeit fast 600 Mitarbeitern die Kündigung mitgeteilt. Der Brühler Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Felser sagt im WDR-Interview, was Betroffene tun sollten.

WDR: Was halten Sie von Kündigungen zur Weihnachtszeit?

Michael Felser

Michael Felser, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Michael Felser: Ich finde das schon stillos. Für die Betroffenen ist es eine Katastrophe. Wenn man nicht unempathisch ist, weiß man ja, was das auslöst. Und eine Kündigung zur Weihnachtszeit zeigt ja auch, dass das Unternehmen die Entscheidung aufgeschoben hat. Da würde es auf einen Monat mehr auch nicht mehr ankommen.

WDR: Warum kündigen Unternehmen ihren Mitarbeitern überhaupt ausgerechnet zur Weihnachtszeit?

Felser: Es geht meist um Pläne und Vorgaben, die Unternehmen sich für das Jahr vorgenommen haben. Personalplanungen werden oft eben auch auf den letzten Drücker umgesetzt. Kosten spielen weniger eine Rolle, denn die Beendigung des Arbeitsverhältnisses erfolgt ja nicht fristlos. Wenn jemand sieben Monate Kündigungsfrist hat, dann ist der erst ab Juli von der Payroll runter.

WDR: Sind Kündigungen in der Weihnachtszeit überhaupt zulässig?

Felser: Ja. Laut Bundesarbeitsgericht ist sogar eine Kündigung am Krankenbett zulässig.

WDR: Es gibt keine Sonderregelung?

Felser: Die gibt es nicht. Wichtig ist nur, dass ein Kündigungsgrund besteht. Das überprüfen gegebenenfalls die Gerichte.

WDR: Was raten Sie Betroffenen?

Felser: Die Kündigung arbeitsgerichtlich überprüfen zu lassen. Dabei ist wichtig, dass man die Frist zur Klageerhebung nicht versäumt. Die beträgt drei Wochen ab Zugang der Kündigung. Man sollte auch schnell einen Termin beim Anwalt machen, weil zum Beispiel formale Mängel der Kündigung sofort gerügt werden müssen.

WDR: Es geht also um eine Kündigungsschutzklage?

Felser: Ja. Die ist eigentlich darauf gerichtet, dass man weiterbeschäftigt wird. Damit Arbeitgeber sich aber von der Weiterbeschäftigung lösen können, bieten sie gerne eine Abfindung an - nur nach Klage natürlich.

WDR: Die Kündigungsschutzklage dient also nicht dazu, Weiterbeschäftigung durchzusetzen, sondern eine Abfindung zu erhalten?

Felser: Das ist in den meisten Fällen so. 70 Prozent der Kündigungsschutzklagen werden bei einem Gütetermin mit einem Vergleich geregelt, meistens mit einer Abfindung - 90 Prozent spätestens beim Kammertermin. Das ist der zweite Termin, bevor ein Urteil ergeht. Wer keine Klage erhebt, versäumt einen Anspruch auf eine mögliche Abfindung.

Das Interview führte Frank Menke.

Stand: 04.12.2019, 18:55

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