Kükentöten bleibt übergangsweise erlaubt

Kükentöten: Urteil am Bundesverwaltungsgericht WDR aktuell 13.06.2019 01:53 Min. Verfügbar bis 13.06.2020 WDR Von Alexander Roettig

Kükentöten bleibt übergangsweise erlaubt

  • Bis zur Einführung alternativer Verfahren bleibt Töten rechtmäßig
  • Kritik vom Deutschen Tierschutzbund
  • 45 Millionen männliche Küken pro Jahr getötet
  • Brütereien aus NRW hatten geklagt

Das Bundesverwaltungsgericht hat am Donnerstag (13.06.2019) das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht vorerst noch als rechtmäßig bestätigt. Bis zur Einführung alternativer Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei dürften Brutbetriebe männliche Küken weiter töten, urteilte das Gericht in Leipzig.

Fortsetzung dieser Praxis bleibt noch rechtmäßig

Die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien seien zwar allein kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Bis Alternativen zur Verfügung stünden, sei die Fortsetzung der Praxis aber noch rechtmäßig.

Eine dafür entwickelte Methode zur Geschlechtsbestimmung im Ei soll nach Angaben des Bundesagrarministeriums im kommenden Jahr allen Brütereien in Deutschland zur Verfügung stehen. Das Geschlecht wird dabei vor dem Ausbrüten im Ei erkannt. Ein Laser brennt ein winziges Loch in die Schale. So kann dem Ei Flüssigkeit entnommen werden, die auf Geschlechtshormone getestet wird. Männliche Küken schlüpfen damit erst gar nicht, ihre Eier werden zu Tierfutter verarbeitet.

Verfüttert, verbrannt, mit Gas getötet oder zu Tiermehl verarbeitet. Rund 45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland kurz nach dem Schlüpfen getötet. Es geht um die Söhne der Legehennen, die keine Eier legen können und nur wenig Fleisch ansetzen. Für Brutbetriebe sind diese männlichen Küken unwirtschaftlich – und deshalb wertlos.

"Vernünftiger Grund" als Ausnahme im Tierschutzgesetz

Im Tierschutzgesetz steht, dass kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf. Aber: In der Tierschutzschlachtverordnung gibt es eine Ausnahme. Kükentöten ist erlaubt und gilt als "vernünftiger Grund", wenn die Aufzucht für die Betriebe unwirtschaftlich ist.

2013 wollte die damalige rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen die umstrittene Praxis verbieten. Geklagt hatten zwei Brütereien aus NRW.

Alternativen zur Kükentötung noch "Zukunftsmusik"

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.06.2019 04:32 Min. Verfügbar bis 11.06.2020 WDR 5

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"Ganzes System umstellen" – Rückkehr zu Zweinutzungshühnern?

Kritik an dem Urteil kam von Brigitte Rusche vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn: "Was wir aus Sicht des Tierschutzes tun müssen, ist das ganze System umstellen. Wir müssen zurück zu den Zweinutzungshühnern, wo man sowohl das Ei als auch das Fleisch von der gleichen Hühnerrasse nutzen kann. Dann wäre das Töten überflüssig", sagte die Vizepräsidentin des Tierschutzbunds.

Als Durchbruch feierte das Urteil hingegen das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. "Die Tötung männlicher Eintagsküken muss nach einer Übergangszeit nun eingestellt werden", sagte Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU).

Stand: 13.06.2019, 06:54

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Matts 14.06.2019, 10:30 Uhr

    Da schließe ich mich an linux. Den wahren Charakter eines Menschen, erkennst du daran, wie er mit dir umgeht, wenn er dich nicht mehr braucht. ....ein Tipp, mal im TV zeigen , wie so ein Kükenschredder funktioniert.... am besten bei der Sendung mit der Maus, damit die Kids mal sehen, was es für Menschen gibt und was wir den Tiere antun.....

  • 2 W.M. 13.06.2019, 19:52 Uhr

    Eine Hinrichtung von Lebewesen wie im KZ

  • 1 linux 13.06.2019, 18:39 Uhr

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln." (Mahadma Gandhi)

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