Kohleausstieg: "Teurer Klimaschutz für wenig Ergebnis"

Kohleausstieg: "Teurer Klimaschutz für wenig Ergebnis"

  • Laschet zufrieden mit Fahrplan zum Kohleausstieg
  • Energie-Expertin äußert scharfe Kritik im WDR-Interview
  • Befürchtung: Pariser Klimaziele werden nicht erreicht

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) feiert den Fahrplan zum Kohleausstieg als "Paket der Vernunft". Claudia Kemfert hingegen äußert im WDR-Interview große Enttäuschung. Sie ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Im Westen geht die Kohle unter

WDR RheinBlick 17.01.2020 24:21 Min. Verfügbar bis 16.01.2021 WDR Online

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WDR: Herr Laschet ist sehr zufrieden. Wie zufrieden sind Sie?

Claudia Kemfert

Claudia Kemfert kritisiert den Kompromiss zum Kohleausstieg.

Claudia Kemfert: Deutlich weniger. Die Kohlekommission hatte andere Empfehlungen gegeben. Mit diesem Fahrplan werden die Klimaziele aller Voraussicht nach nicht erreicht. Und es ist auch noch vergleichsweise teuer, da man hohe Entschädigungen zahlen muss. Ein teurer Klimaschutz für wenig Ergebnis.

WDR: Das haben wir vom Ministerpräsidenten ganz anders gehört. Hat der andere Zahlen?

Kemfert: Wir sehen ja die Zahlen aus der Kohlekommission. Dort hat man speziell von diesem Fahrplan abgeraten. Man verschiebt jetzt relativ viel in die 2030er Jahre. Das hätte man anders regeln können, indem man alte, ineffiziente Kohlekraftwerke sofort abschaltet und die restlichen drosselt. Jetzt wird ja sogar noch ein neues Kohlekraftwerk ans Netz genommen.

Braunkohle: Der Fahrplan für den Ausstieg steht

WDR 2 16.01.2020 02:38 Min. Verfügbar bis 15.01.2021 WDR Online

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WDR: Sie sprechen das Kraftwerk Datteln 4 an. Ist es nicht besser, ein Neues laufen zu lassen als die Alten?

Kemfert: Nein, denn dieses Kraftwerk produziert ja auch wieder Emissionen. Die Kohlekommission hatte zurecht empfohlen, dieses Kraftwerk nicht mehr ans Netz zu nehmen.

WDR: Allein Kraftwerksbetreiber RWE hier im Westen bekommt 2,6 Milliarden Euro Entschädigung. Zurecht?

Kemfert: Aus unserer Sicht nicht. Das ist relativ viel Geld für Kraftwerke, die kaum noch etwas wert sind. Die Konzerne haben offensichtlich sehr clever gepokert und am Ende sehr viel Geld zugesprochen bekommen. Das ist nicht wirklich zielführend.

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WDR: Wenn der Fahrplan jetzt so umgesetzt wird: Was müssen wir zusätzlich tun, damit die Energiewende schnell kommt?

Kemfert: Vor allem muss der Kohleausstieg begleitet werden von einem deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien. Sonst laufen wir in eine Ökostromlücke, in eine Versorgungslücke, wenn wir die Kraftwerke wie geplant abschalten wollen. Man wird nachjustieren müssen. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, wird man weitere Kraftwerke vom Netz nehmen müssen. Deswegen ist es so wichtig, die Windenergie wieder anzukurbeln und den Ausbaudeckel für Solarenergie abzuschaffen.

Anmerkung der Redaktion: Die schriftliche Version des Interviews wurde leicht gekürzt und sprachlich angepasst. Der Inhalt der Fragen und Antworten bleibt davon unberührt.

Stand: 16.01.2020, 20:00

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