Volksfeste und kleinere Festivals in der Krise

Stand: 13.08.2022, 19:45 Uhr

Mega-Events wie Konzerte der Rolling Stones laufen immer noch gut. Doch Volksfeste, Nischen-Festivals und nicht ganz so berühmte Bands haben Probleme. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Von Frank Menke

Das Oktoberfest in Xanten - abgesagt. Die "Rudeldiere"-Europa-Tournee der Kölner Band Kasalla - mangels Nachfrage ebenfalls gestrichen. Das Haldern Pop Festival - nicht wie sonst ausverkauft. Obwohl viele Menschen nach den Corona-Beschränkungen großen Appetit auf kulturelles Vergnügen haben, tun sich kleinere Veranstaltungen jenseits der Blockbuster zunehmend schwer.

Corona und Energiekrise strapazieren

Ludwig Ingenlath vom Freizeitzentrum Xanten

Ludwig Ingenlath

Das hat verschiedene Gründe. Obwohl für das Oktoberfest in Xanten schon tausende Karten verkauft waren, wurde es abgesagt. Ludwig Ingenlath vom Freizeitzentrum Xanten sagte dazu dem WDR: "Mit den Änderungen, die uns im Oktober erwarten können, ist es einfach sehr riskant. Corona macht ja vor dem Personal nicht Halt - also auch da das Risiko, das für uns unkalkulierbar ist."

"Können wir guten Gewissens ein Festzelt mehrere Wochen heizen in einer Zeit, wo andere ihre Heizung runterdrehen?" Xantens Bürgermeister Thomas Görtz
Thomas Görtz, Bürgermeister von Xanten

Thomas Görtz

Xantens Bürgermeister Thomas Görtz (CDU) führte im WDR noch einen weiteren Grund für die Absage an: "Wir haben uns die Frage gestellt, können wir guten Gewissens ein Festzelt mehrere Wochen heizen in einer Zeit, wo andere ihre Heizung runterdrehen. Wo wir als Kommune zum Beispiel das Wasser im Hallenbad kälter stellen, um einfach Energie zu sparen. Das passte für uns mit unserer Vorbildfunktion nicht zusammen."

"Ich denke, die Leute sind gerade nicht so superbereit für Überraschungen." Stefan Reichmann, Macher des Haldern Pop Festivals

Mittlere Festivals haben es schwerer

Stefan Reichmann, Geschäftsführer von Haldern Pop

Stefan Reichmann

Auch die Festivalbranche hat zu kämpfen, etwa in Haldern. Riesenevents wie das Elektro-Kult-Festival Parookaville im rheinischen Weeze liefen immer noch gut, mittlere Festivals hätten es heutzutage schwerer, sagte Haldern-Pop-Macher Stefan Reichmann dem WDR.

Vor dem Hintergrund von Energiekrise und Inflation ergänzte er: "Ich denke, die Leute sind gerade nicht so superbereit für Überraschungen oder sich in irgendein Abenteuer zu begeben, Karten für ein Programm zu kaufen, wo sie nicht zu hundert Prozent wissen, was sie da wirklich für kriegen. Bei den Stones ist es ja wie ein Museumsbesuch, da weißt du, was du kriegst."

65 Prozent der geplanten Veranstaltungen abgesagt

Laut dem in der Coronakrise gegründeten Bündnis "AlarmstufeRot" aus einflussreichen Initiativen und Verbänden der deutschen Veranstaltungswirtschaft werden derzeit 65 Prozent der geplanten Veranstaltungen abgesagt. Dies betreffe sämtliche Beschäftigten der Branche, die nun schon im dritten Jahr in Folge ganz hart getroffen würden.

Über dieses Thema berichteten wir auch am 13.08.2022 im WDR Fernsehen in der Aktuellen Stunde.

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