Russland-Ukraine-Konflikt: Auf dem Bild ist eine Frau und ein Kind zu sehen, die Sievierodonetsk in der Region Luhansk in der Ostukraine verlassen.

Krieg in der Ukraine: Wie man Kindern die Situation erklärt

Stand: 01.03.2022, 15:35 Uhr

Russlands Krieg in der Ukraine schockiert viele Menschen. Auch Kinder bekommen mit, was da gerade passiert. Wie sollten Eltern damit umgehen? Psychologin Elisabeth Raffauf gibt Tipps.

WDR: Wie nehmen Kinder eine solche Kriegs-Situation wahr?

Elisabeth Raffauf: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Kinder, die das vielleicht gar nicht so richtig mitbekommen, weil sie im Fernsehen häufiger schlimme Dinge sehen. Anderen macht das gerade sehr viel Angst. Sie sehen schlimme Dinge oder hören davon und spüren, dass ihre Eltern unsicher und schockiert sind. Das überträgt sich natürlich auf die Kinder und sie fangen an, Fragen zu stellen: Was ist da los? Was ist Krieg? Und warum machen Menschen das?

WDR: Wie sollten Eltern darauf reagieren?

Raffauf: Wenn die Kinder etwas merken und Fragen stellen, brauchen sie natürlich Antworten. Und es ist gut, wenn sie einfache und ehrliche Antworten bekommen. Es bringt nichts, wenn die Kinder eine Unruhe spüren und dann gesagt bekommen, es sei schon nicht so schlimm. Das können sie dann nicht einordnen und sind noch mehr verunsichert. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. Deshalb braucht es ehrliche Antworten. Je nach Alter müssen die eher einfach oder ausführlich sein.

WDR: Das heißt, es bringt nichts, wenn Eltern beschwichtigten?

Raffauf: Nein, das ist keine gute Idee. Denn ihr Gefühl sagt ihnen ja etwas anderes. Und sie kennen auch uns Eltern und wissen, wenn uns etwas beschäftigt.

WDR: Bringt es etwas, Kinder von den Nachrichten fernzuhalten?

Zwei Kinder sitzen auf dem Boden und schauen Zeichentrick im Fernsehen

Kinder abschirmen klappt nicht immer

Raffauf: Nein, denn das gelingt meistens sowieso nicht. Wenn die Kinder noch ganz klein sind, kann man natürlich dafür sorgen, dass in ihrem Beisein nicht die Tagesschau läuft. Aber spätestens ab dem Kindergarten und der Grundschule bekommen sie die Nachrichten dann woanders her. Da muss man als Eltern mit rechnen. Deswegen brauchen die Kinder eine aufmerksame Begleitung und Eltern, die offen sind für die Fragen ihrer Kinder. Sie ganz abzuschirmen von dem, was in der Welt passiert, ist gar nicht möglich.

WDR: Ist es dann eine Lösung, zusammen mit den Kindern die Nachrichten zu gucken?

Raffauf: Bei Kindern, die auf die weiterführende Schule gehen, ist das auf jeden Fall eine gute Idee. Mit denen kann man zusammen die Tagesschau gucken. Ansonsten gibt es ja auch noch die Kindernachrichten im WDR oder ZDF-Logo. Dort wird alles kindergerecht erklärt und informiert.

WDR: Wie erklärt man Kindern denn, was Krieg ist?

Raffauf: Man muss ihnen erklären, was da genau passiert. Sagen, was ist. Das sind Menschen, die wollen ihre Macht und ihr Land vergrößern. Und sie nehmen sich das, was eigentlich anderen gehört, mit Gewalt. Leider sterben dabei auch Menschen.

WDR: Sollten Eltern ihren Kindern denn zeigen, dass sie selbst beunruhigt sind?

Raffauf: Gegenüber seinen Kindern etwas zu verstecken, bringt meistens nichts. Sie spüren es, wenn man in Unruhe ist. Andererseits ist es gut, wenn man als Elternteil in Panik gerät, das mit anderen Erwachsenen zu besprechen. Ansonsten überträgt sich die Angst schnell auf die Kinder.

Das Gespräch führte Christian Wolf.

Krieg in der Ukraine: Wie man Kindern die Situation erklärt

WDR 2 25.02.2022 02:59 Min. Verfügbar bis 25.02.2023 WDR 2


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