Bessere Versorgung durch weniger Krankenhäuser in NRW?

Bessere Versorgung durch weniger Krankenhäuser in NRW?

  • Studie: Bessere Versorgung durch weniger Kliniken in NRW
  • Ausstattung und Personal konzentrieren
  • Zustimmung von NRW-Gesundheitsminister Laumann (CDU)

"In der Bundesrepublik Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser", heißt es in einer Mitteilung der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung vom Montag (15.07.2019). Das gelte auch für Nordrhein-Westfalen, wie eine Modellrechnung der Stiftung ergeben hat. Mit weniger Kliniken könnte sich sogar die Gesundheitsversorgung hierzulande verbessern, sagen die Forscher.

Spezialisierung und Ausstattung

Eine Reduzierung der Kliniken könnte nicht nur Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal abfangen, sondern "würde zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten" führen. Viele Krankenhäuser in Deutschland würden nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle "angemessen zu behandeln".

Die Stiftung erklärt, es käme nicht nur darauf an, dass Kliniken schnell erreichbar seien, sondern auch, dass sie eine höhere Spezialisierung sowie bessere Ausstattung und Betreuung gewährleisten können.

"Wenn ein Schlaganfallpatient die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen entsprechend qualifizierten Arzt und nicht die medizinisch notwendige Fachabteilung vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden", sagt Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

14 statt 38 Kliniken im Großraum Köln

Konkret berechnet haben die Forscher ihren Vorschlag für den Großraum Köln. Demnach könnte die Region "mit 14 statt den aktuell 38 Akutkrankenhäusern eine bessere Versorgung bieten, ohne dass die Patienten im Durchschnitt viel längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten".

Laut Forschern würde Deutschland mit weniger als 600 Krankenhäusern gut auskommen. Bisher gibt es rund 1.750 Kliniken in der Bundesrepublik. Durch eine Konzentration ließen sich "viele Komplikationen und Todesfälle" vermeiden.

Zustimmung von Laumann

"Ich glaube, dass die Bertelsmann-Stiftung nicht ganz Unrecht hat. Man muss schon eine gewisse Struktur an Technik, Personal, Fachärzten und -pflege haben, wenn man bestimmte Dinge machen will", sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann dem WDR. Der CDU-Politiker forderte die Krankenhäuser auf, sich trägerübergreifend zusammenzusetzen und "regionale Versorgungskonzepte" zu erarbeiten.

Laumann will "die Patientenströme in Regionen sehen" und in 16 Planungsbezirken analysieren lassen, wer was macht und wie die Krankenhausqualität nochmal zu verbessern ist.

Letzte Klinik in Letmathe soll schließen Aktuelle Stunde 16.06.2019 UT Verfügbar bis 16.06.2020 WDR Von Fritz Sprengart

Stand: 15.07.2019, 16:30

Kommentare zum Thema

14 Kommentare

  • 14 Anamirza 16.07.2019, 18:58 Uhr

    Die Begriffe "Studie", "Wissenschaftler", "Forscher", "Institut" sind nicht gesetzlich geschützt definiert. Der geschäftsführende Vorsitzende des von der Bertelsmann-Stiftung beauftragten Unternehmens IGES und der Tochtergesellschaft CSE ist an der TU Berlin Honorarprofessor für "Ökonomie der pharmazeutischen Industrie".

  • 13 Werner 16.07.2019, 13:25 Uhr

    Ich stehe zur lokalen Grundversorgung, auch wenn aus Unternehmersicht immer eine Reduzierung der Sozialabgaben gerne gesehen wird. Bei der Frage, ob man in großen oder kleinen Häusern besser versorgt wird ist die Antwort keine Überraschung, wenn man dazu nur Vertreter aus großen Krankenhäuser fragt. Irgendwann kann ein Abwägungsprozess auch gegen ein kleines Haus ausfallen, das kann kann in großen Städten aber auch mal gegen ein großes Haus in unmittelbarer Nachbarschaft eines anderen großen Krankenhauses ausfallen. Die Bertelsmann-Stiftung ist von der Unternehmerfamilie Mohn gegründet. Bei Wikipedia und Lobbypedia kann man mehr darüber lesen. Es gibt auch eine unterhaltsame Folge der Satire-Sendung „Die Anstalt“, in der es um die Rolle der „gemeinnützigen“ Stiftung bei Schröders besten Niedriglohnsektor geht. Mit etwas Hintergrundwissen kann man das alles besser einordnen.

  • 12 Nelly 16.07.2019, 08:50 Uhr

    Hatte man bei Bertelsmann mal wieder Langeweile, dass man solche unnützen Zahlenspiele durchrechnete? Wie menschenverachtend muss man sein, um die Grundversorgung vor Ort so stark reduzieren zu wollen? Schon jetzt fehlen Plätze für (Notfall)patienten. Mein Vorschlag kein Geld, die für solche Nonsensstudien zu verschwenden. Damit würde man eine Menge einsparen. Und noch schlimmer, dass sich die Politik von so einem unqualifizierten Sch... beeinflussen lässt.

  • 11 Tuktuyaktuk 16.07.2019, 02:37 Uhr

    Die Berichterstattung über dieses ernste Thema bis hin in die Tagesschau ist ein Tiefpunkt des Journalismus: 1.Die Unmöglichkeit, eine "Studie" über eine Versorgung in einer extrem dicht bevölkerten Region der Republik auf das ganze Land hochzurechnen, wird nicht betont. 2.Der Bericht wird an eine planbare Operation gekoppelt, die schief gelaufen sei. Extrem viele Krankenhausaufenthalte sind erforderlich wegen plötzlicher Erkrankungen, die gar keine extreme Behandlungsspezialisierung erfordern, sondern nur verständnisvolle Betreuung. 3. Es wird auch nicht im Ansatz die Interessen gesteuerte Absicht der neoliberalen Bertelsmann-"Studie" erfasst: große Klinikketten sollen ja nicht von Schließung betroffen sein, sondern nur kleinere Häuser, die i.d.R. in öffentlicher Hand sind. Wenn die geschlossen sind, profitieren die börsennotierten Klinikketten, zB Helios. In der Tagesschau kommt dann ein "Experte" zu Wort, der zufälliger Weise für Helios gearbeitet hat.... Da kann man nur sagen:TOLL

  • 10 Jürgen Baier 15.07.2019, 21:57 Uhr

    Mag ja sein das die Bertelsmann-Stiftung etwas analysiert, doch scheint es doch: - das immer weniger Krankenhäuser den Weg zum Krankenhaus länger für den Patienten, das Personal und auch die Besucher macht - das ggfls. Personal eingespart werden kann (was zu beweisen ist) aber die CO2-Bilanz nicht besser wird, eine möglichst schnelle Versorgung im Notfall nicht gewährleistet werden kann - und ob Kosten unterm Strich und nicht nur von einer Seite gespart werden, nachzuweisen ist. Zu leicht wird nur von einer Seite argumentiert, doch ist die Summe und nicht die Einzelbetrachtung für die Menschen ausschlaggebend. Nicht die Krankenhauskonzerne bringen das Heil gerade in ländlichen Regionen. Bitte nicht nur einseitig betrachten und argumentieren.

  • 9 Fritz 15.07.2019, 20:51 Uhr

    Statt für genügend Ärzte und Pflegekräfte zu sorgen (das ist leichter als uns vorgejammert wird) werden üble Infos - ja Lügen - in den Medien verbreitet. Herr Minister Laumann bezahlen Sie alle die in diesem wichtigen Beruf arbeiten ausreichend und rüsten Sie diese wichtigen Einrichtungen mit Allem was dafür gbraucht wird ausreichend aus, dann ist Allen geholfen. Krankenhäuser schließen das ist ein riesen Skandal...

  • 8 Wende 15.07.2019, 19:51 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 7 Eifelkurier 15.07.2019, 19:36 Uhr

    Es ist absolut unhaltbar, noch mehr Krankenhäuser zu schließen. In meiner Heimatstadt Hückeswagen gab es bis 1991 ein katholisch getragenes Hospital, welches von der Kirche geschlossen wurde, weil es sich, angeblich, nicht getragen hat. Will damit sagen, das ein Krankenhaus leider nichts mehr anderes ist als ein zum Profit verdammtes Unternehmen. Wer erdreistet sich, Notfallpatienten das Recht und die Hoffnung auf schnelle Hilfe zu nehmen. Im Rettungsdienst gibt es Hilfsfristen, warum nicht auch in der Erreichbarkeit der Kliniken?

  • 6 hø'ø 15.07.2019, 18:19 Uhr

    Der Großraum Köln ist keineswegs repräsentativ für NRW. Anderswo ist die Krankenhausdichte weitaus niedriger. Manchmal muß man jetzt schon 30km und mehr fahren, um ein Krankenhaus zu erreichen. Die Notrufstationen werden ebenfalls immer weiter zentralisiert, so daß es unter Umständen (zB im Winter bei Schnee) fraglich ist, ob eine Notversorgung noch gewährleistet ist. Und der "Ärztliche Notfalldienst" mag ein nettes Callcenter haben, aber wenn man dort anruft, kommt noch lange kein Arzt - oftmals soll man sich, auch gerne mit dem Kopf unterm Arm, zum nächsten Krankenhaus begeben - aber wie denn ohne eigenes Auto bzw. fahrunfähig, ohne ÖPNV und mit dem nächsten KH eine Stunde entfernt?. Aber vermutlich ist das so gewollt: Der Patient soll gar nicht lebend im KH ankommen, um Kosten für dessen Versorgung zu sparen.

  • 5 ich 15.07.2019, 17:45 Uhr

    Liebe Bertelsmann-Stiftung: Entscheidet der Schlaganfallpatient , in welche Klinik er im Notfall kommt ? Sind wir schon so weit ? Lieber Hr.Laumann: "ist die gewisse Struktur an Technik, Personal, Fachärzten und -pflege" nicht schon in den letzten Jahren "kaputt gespart" worden ?

    Antworten (1)
    • Fritz 15.07.2019, 20:36 Uhr

      Ja schaut genau hin, liebe Patienten, die Klientel die an den Hebeln sitzt ist ohnehin davon nicht betroffen....für DIE gelten andere Gestze...... Also wehrt euch mit euren Mitteln.

  • 4 Sparen egal wen es kostet 15.07.2019, 17:39 Uhr

    Ich schlage vor, bei Krankheit die Behandlung zu googlen. Muss sich doch machen lassen.

    Antworten (1)
    • Fritz 15.07.2019, 20:30 Uhr

      Ja egal --- WEN --- es kostet..... gut gekontert, lieber Freund.

  • 3 Harald Hennig 15.07.2019, 17:35 Uhr

    Nach der Bahn, Post . Nun ist das Gesundheitswesen dran. Da wird dann wieder gespart auf Kosten der Patienten.

    Antworten (1)
    • Fritz 15.07.2019, 20:25 Uhr

      Prima, wehrt euch früh genug, liebe Kassenpatienten, denn für die Privat- Versicherten gelten ohnehin andere "Regeln"

  • 2 Stephan Schmitz 15.07.2019, 17:30 Uhr

    Aber sicher ist die Versorgung dann besser. Für weniger Leute. Wird dann bei einem Verkehrsunfall ausgelost wer ins Krankenhaus darf und wer nicht? Sind dann mehr Pflegekräfte da nur weil in weniger Krankenhäusern auf einmal mehr von ihnen rum rennen? Wird die Versorgung dann besser oder einfach nur teurer weil man ja als überlebendes Krankenhaus jetzt eine Monopolstellung hat? Übrigens die Ärzte einer Notfallstation sind auch in der Lage einen Schlaganfall zu behandeln. Auch wenn das Krankenhaus keine spezialisierte Stroke Unit hat. Also kann der im Text genannte Patient getrost nur 30 min. statt... hmmmm… 60min(?) fahren. Mir graust es.

    Antworten (1)
    • Fritz 15.07.2019, 20:21 Uhr

      Sehr gut begründet. Ja liebe Bürger, wehret den Anfängen.....!

  • 1 Manfred H. 15.07.2019, 17:13 Uhr

    Und zur Grundausstattung gehört dann noch ein Hubschrauber für ländliche Gebiete ud bei Stau.

    Antworten (1)
    • hø'ø 15.07.2019, 18:21 Uhr

      ... der dann bei schlechtem Wetter oder nachts nicht fliegen darf.

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