Kostenloser Nahverkehr: Eine Option für ganz NRW?

Kostenloser Nahverkehr: Eine Option für ganz NRW?

  • Öffentlicher Nahverkehr am Sonntag In Düsseldorf kostenlos
  • Stadt will für Verkehrswende werben
  • Wäre kostenloser ÖPNV in ganz NRW möglich?

"Ich steige um" – unter diesem Motto veranstaltet die Stadt Düsseldorf erstmals einen autofreien Sonntag (15.09.2019). Das Ziel: ein Signal für eine umweltfreundlichere Mobilität setzen. Von 11 bis 18 Uhr wird die Innenstadt für Autos gesperrt, dafür sind Fahrten mit Bus und Bahn im ganzen Stadtgebiet kostenlos.

Was wäre, wenn der öffentliche Nahverkehr immer gratis wäre - das ganze Jahr, in ganz NRW? Eine schöne Vorstellung, aber nicht leicht umsetzbar.

Wie viele Menschen würden umsteigen?

Dazu gibt es keine genauen Zahlen. Laut Umfragen wäre ungefähr die Hälfte der Deutschen bereit, Alltagswege ohne Auto zurückzulegen. Allerdings ist dafür eine attraktiver Nahverkehr notwendig. Die Bahngewerkschaft EVG weist darauf hin, dass Zugausfälle, Verspätungen und übervolle Züge zu Stoßzeiten niemanden ermuntern, das Auto stehen zu lassen - selbst bei kostenlosem Nahverkehr. Bei gleichzeitigen Fahrverboten in der Innenstadt, so wie am Sonntag in Düsseldorf, sähen die Zahlen dann möglicherweise anders aus.

Aus Sicht von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) muss zuerst die Infrastruktur ausgebaut werden, bevor den Kunden ein besseres Angebot vorgelegt werden kann. "Wir brauchen erst mal ein Angebot, das man umsonst machen kann", so Wüst im WDR-Radio.

Wie teuer ist ein kostenloser ÖPNV?

Dazu gab der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) eine Studie in Auftrag. Das Ergebnis: Steigt die Fahrgastzahl durch die Einführung einer kostenlosen Beförderung um 30 Prozent, müsste der VRS seine Kapazitäten erhöhen. Das wäre bis 2024 auch möglich - allerdings nur, wenn das Busangebot deutlich ausgebaut wird. Der Ausbau von Stadtbahn- und regionalen Zuglinien hingegen wäre so kurzfristig nicht leistbar.

Allein der Ausbau der Infrastruktur würde jährlich 120 Millionen Euro kosten. Bei einem kostenlosen Nahverkehr kämen weitere Kosten wie Einnahmeausfälle dazu, den VRS würde das insgesamt eine Milliarde Euro kosten. Der Verkehrsverbund fordert darum von Bund und Land, diese Kosten in dem Fall zu übernehmen.

Kostenloser Nahverkehr - eine Lösung für ganz NRW?

"Je mehr wir in ländliche Regionen kommen, desto schwieriger wird es, einen getakteten ÖPNV wirtschaftlich zu betreiben", sagte Philipp Stempel vom Städte- und Gemeindebund NRW dem WDR. Die Menschen seien dort mehr auf das Auto angewiesen als in der Großstadt. "Die Zukunft der öffentlichen Mobilität liegt dort eher in maßgeschneiderten Angeboten, etwa ein Sammeltaxi, das nach Bedarf fährt, oder autonomes Fahren."

Wie entscheidend die Kassenlage einer Kommune ist, zeigt der Fall Monheim: Die finanziell gut aufgestellte Stadt bietet ab dem kommenden April kostenlosen Nahverkehr an.

Kostenloser Nahverkehr - wie geht das?

WDR 5 Profit - aktuell 17.12.2018 03:28 Min. Verfügbar bis 17.12.2019 WDR 5

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Stand: 15.09.2019, 06:00

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