Was kostet eine Bombendrohung?

Ein Polizist hinter einem Absperrband geht über einen Bahnsteig im Bonner Hauptbahnhof.

Was kostet eine Bombendrohung?

  • Anonyme Drohanrufe sorgen für Chaos am Bonner Bahnhof
  • Auf Täter kommen Haftstrafen und Schadenersatzforderungen zu
  • Genaue Kosten laut Polizei schwer zu erfassen

Dreimal in drei Tagen musste der Bonner Hauptbahnhof komplett gesperrt werden, aus Angst, dass eine Bombe explodiert. Einmal sorgte herrenloses Gepäck für Aufregung, stellte sich aber schließlich als harmlos heraus. Aber gleich zweimal gingen anonyme Anrufe bei der Polizei ein: "Am Bahnhof liege eine Bombe".

Die Folge: Bahnen fuhren nicht, Pendler kamen nicht dort an, wo sie wollten und der Verkehr staute sich kilometerweit. Dazu die Manpower: In Bonn waren allein am Mittwoch (29.01.2020) laut Polizei über 20 Beamte vier Stunden lang im Einsatz, außerdem Feuerwehr, Hilfskräfte und Mitarbeiter vom Ordnungsamt.

Bombendrohung: Haft und Schadenersatzforderungen

Werden der oder die Täter ermittelt, steht von Gesetz wegen fest, was auf eine "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" steht: mindestens drei Jahre Haft.

vor dem Gebäude des Bahnhofs herrscht reges Treiben: Fahrradfahrer, Fußgänger und Autos

Komplett gesperrt: Der Bonner Hauptbahnhof

Dazu können aber auch finanzielle Forderungen von Geschädigten kommen. Zum Beispiel von den Stadtwerken, die in Bonn zusätzliche Busfahrer anheuern mussten, oder von Geschäftsleuten, die einen wichtigen Termin verpassten - oder gleich von einem ganzen Flughafen wie im Jahr 2003.

Aus Liebeskummer Flughafen lahmgelegt

Aufnahme des Flughafens aus der Vogelperspektive

Millionenschaden am Düsseldorfer Flughafen

Damals hatte eine junge Frau den Betrieb in Düsseldorf mit Drohanrufen lahmgelegt, weil sie nicht mit ihrem Freund in den Urlaub fliegen wollte. Alle Terminals wurden geräumt, Dutzende Flüge gestrichen oder verschoben. Die Quittung: zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Außerdem sollte sie 207.000 Euro plus Zinsen an die Flughafenbetreiber zahlen. "Ihr wird in den nächsten 30 Jahren nur das Einkommen bleiben, was unterhalb des Pfändungsfreibetrages liegt", so ein Gerichtssprecher damals.

Insgesamt hat die Bombendrohung am Flughafen Medienberichten zufolge 1, 2 Millionen Euro gekostet. Der Einsatz der Bundespolizei wurde dort mit 151.000 Euro angegeben, der der Landespolizei mit 28.000 Euro.

Was kostet eine Bombendrohung genau? Das wird nicht erfasst.

Unklar ist, was die Bonner Einsätze gekostet haben. Die Polizei setzt nur einen groben Rahmen von "mehreren zehntausend Euro". Das NRW-Innenministerium ist noch zugeknöpfter: "Wir machen keine Kostenaufstellung", so ein Sprecher. Begründung: Dann müsste man erfassen, wie viele Beamte mit welchem Dienstgrad wie lange gebunden waren und wie sie verpflegt wurden. "Das ist ein Aufwand, den können wir nicht betreiben."

Nur wenn die Politik nachfrage, etwa nach Einsätzen in Fußballstadien, würde genau nachgerechnet, oder wenn Schadenersatzforderungen Aussicht auf Erfolg versprechen. Im Fall der jungen Frau mit Liebeskummer hat man offensichtlich davon abgesehen.

Stand: 29.01.2020, 19:52

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