Missbrauchsvorwürfe: Korschenbroich benennt Pfarrer-Straße um

Ein Straßenschild mit der Aufschrift Johannes-Wolf-Straße

Missbrauchsvorwürfe: Korschenbroich benennt Pfarrer-Straße um

Von Peter Hild

Der Korschenbroicher Rat hat entschieden, eine Straße umzubenennen, die einem langjährigen katholischen Pfarrer gewidmet ist. Gegen den Verstorbenen waren kürzlich Missbrauchsvorwürfe bekannt geworden.

Alle Ratsmitglieder stimmten einmütig für den Vorschlag der Anwohner, die Johannes-Wolf-Straße künftig durch den neutralen Namen „An der Obstwiese“ zu ersetzen. In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich alle Fraktionen tief betroffen. Für Rainer Jordan, der in der Straße wohnt, eine gute Entscheidung: "Es ist ein Zeichen gegen das gesetzt worden, wofür dieser Mann gestanden hat."

Gemeinde will ein Zeichen setzen

Der langjährige Pfarrer Wolf soll in den 50er- und 60er-Jahren Jungen und jungen Erwachsenen über Monate sexualisierte Gewalt angetan haben, entsprechende Vorfälle sind beim Bistum Aachen aktenkundig und anerkannt. Gerüchte über mögliche Vergehen des Priesters kursierten in Korschenbroich schon lange. Für den heutigen Pfarrer Marc Zimmermann waren die Vorwürfe ein Anstoß, schnell zu handeln: "Mit diesem Wissen war mir klar, dass die Straße nicht weiter seinen Namen tragen kann".

In der Gemeindeleitung sei man sich schnell einig gewesen, als Gemeinde bei der Stadt die Umbenennung zu beantragen. "Für uns ist es ein kleines, demütiges Zeichen an die Betroffenen, dass wir ihr erfahrenes Leid wahrnehmen und ernst nehmen", erklärt Zimmermann. Er will weitere Opfer damit ermutigen, über das Geschehene zu sprechen.

Unterschiedliche Reaktionen der Gläubigen

Mehrere Tische im Halbrund in einer Aula, an denen mit Abstand Menschen sitzen

Der Rat in Korschenbroich

Die Gemeindemitglieder hätten unterschiedlich auf die Missbrauchsvorwürfe reagiert, erzählt der heutige Pfarrer. Viele seien betroffen, enttäuscht gewesen. Andere würden die Vorwürfe verharmlosen.

"Für viele war Johannes Wolf eine Autorität und Respektsperson, viele haben ihn gekannt. Da fällt es nicht leicht, dass das Bild von ihm nun anders aussieht", sagt Zimmermann. Insgesamt sei die Bereitschaft in der Gemeinde aber spürbar, das Thema "sexualisierte Gewalt" nun stärker aufzuarbeiten.

Stadt will bei Behördengängen helfen

Bei den Anwohnern gab es im Vorfeld viel Unmut, weil mit der Umbenennung nun viele Behördengänge verbunden sind, um amtliche Dokumente ändern zu lassen. Die Stadt will die Betroffenen aber unterstützen und die nötigen Ummeldungen kostenfrei übernehmen sowie separate Termine im Bürgerbüro reservieren.

Offiziell umbenannt werden soll die Straße aber erst zum 1. Oktober. Bürgermeister Marc Venten (CDU) begründet das mit der bevorstehenden Reisezeit und der Bundestagswahl im September, zu denen man jeweils mögliche Unstimmigkeiten bei der Meldeadresse vermeiden wolle.

Stand: 01.07.2021, 21:05

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