Mehr Geld dank Konjunkturpaket?

Mehr Geld dank Konjunkturpaket?

  • Mehrwertsteuer sinkt ab dem 1. Juli
  • Hoher Rabatt bei größeren Einkäufen
  • Wenig Plus für Geringverdiener

Ab Mittwoch (01.07.2020) ist es soweit: Um die von der Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft anzukurbeln, sinkt die Mehrwertsteuer. Der Rabatt auf viele Waren und Dienstleistungen ist Teil des Corona-Konjunkturpakets und gilt bis zum Jahresende.

Der reguläre Steuersatz sinkt dabei von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte Steuersatz - zum Beispiel für Lebensmittel - von sieben auf fünf Prozent. Ein Beispiel: Beim Kauf einer neuen Küche im Wert von 25.000 Euro spart man stolze 630 Euro.

Kleinere Entlastungen für jeden

So einfach und attraktiv ist die Rechnung allerdings nur bei größeren Anschaffungen, vor denen viele Normalverdiener angesichts der ungewissen Zukunftsaussichten derzeit noch zurückschrecken. Zumindest eine kleine Entlastung bei den monatlichen Ausgaben sei aber für die meisten Menschen drin, sagt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Sparpotenzial errechnet

Der Steuerexperte hat das durchschnittliche monatliche Sparpotential für Singles und Familien errechnet. Damit die Rechnung aufgeht, müssen die Händler die niedrigere Mehrwertsteuer allerdings auch wirklich an den Kunden weitergeben - verpflichtet sind sie dazu nicht. Außerdem geht die Modellrechnung davon aus, dass die Verbraucher ihr durchschnittliches Konsumverhalten nicht ändern - trotz Wirtschaftskrise und niedrigerer Mehrwertsteuer.

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WDR 5 Morgenecho - Interview 29.06.2020 06:22 Min. Verfügbar bis 29.06.2021 WDR 5


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Für Geringverdiener fällt die Rechnung nicht besonders rosig aus: Ein Single ohne Kinder mit einem monatlichen Nettoverdienst von 1.368 Euro hat demnach am Ende des Monats nur 26 Euro mehr auf dem Konto.

Wohlhabende können sich schon eher auf die kommenden sechs Monate freuen. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Nettoeinkommen von 6.492 Euro spart rund 116 Euro im Monat - bis zum Jahresende kommen so fast 700 Euro zusammen.

Nur wem es ohnehin schon gut geht, der bekommt auch viel? Das stimmt nur teilweise. Denn das Konjunkturpaket sieht zusätzlich auch besondere Hilfen für Familien und Alleinerziehende vor. Pro Kind wird mit dem Kindergeld ein einmaliger Zuschuss von 300 Euro überwiesen.

Das Geld dürfen Eltern mit kleinem oder mittleren Einkommen behalten - nur bei höheren Einkommensklassen wird der Betrag bei der nächsten Steuererklärung verrechnet. Viele Alleinerziehende können zusätzlich einen höheren Steuerfreibetrag geltend machen.

Verbraucherschützer kritisch

Das klingt natürlich zunächst einmal gut. Allerdings stehen zumindest die Verbraucherverbände dem Konjunkturpaket noch sehr kritisch gegenüber. Eine stärkere Senkung der EEG-Umlage und damit niedrigere Strompreise wären das bessere Instrument, um die Konjunktur anzukurbeln, so ihr Vorschlag.

Denn die Verbraucherschützer bezweifeln, dass die niedrigere Mehrwertsteuer wirklich immer an den Kunden weitergegeben wird. Zumindest in der Gastronomie im Land wird das eher selten passieren - so eine aktuelle Umfrage der Dehoga NRW.

Das bringt die gesenkte Mehrwertsteuer Hier und heute 18.06.2020 07:49 Min. Verfügbar bis 18.06.2021 WDR

Stand: 29.06.2020, 18:28

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