Frauenärzte gegen Hebammen - es geht ums Geld

Schwangere Frau mit Hebamme (Symbolbild)

Frauenärzte gegen Hebammen - es geht ums Geld

Von Jörn Kießler

  • Schwangere können von Hebamme und Arzt betreut werden
  • Einige Frauenärzte lehnen Vorsorge durch Geburtshelfer ab
  • Gynökologen befürchten, Pauschale nicht zu bekommen
  • Krankenkassen in NRW geben Entwarnung

Wenn es um den Mangel an Hebammen in Krankenhäusern geht, setzen sich Frauenärzte vehement für die Geburtshelfer ein. Gleichzeitig lehnen noch immer Gynäkologen in NRW ab, dass sich ihre Patientinnen schon während der Schwangerschaft zusätzlich von einer Hebamme betreuen lassen.

"Eigentlich dürfen Schwangere frei entscheiden, wie sie betreut werden wollen", sagt Barbara Blomeier, Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen NRW. Immer wieder wiesen aber Gynäkologen jene Frauen ab, die gleichzeitig zu einer Hebamme gehen. "Leidtragende sind die Schwangeren", sagt Blomeier.

Offenbar geht es um Geld: Denn einige Frauenärzte befürchten, ihre Behandlungspauschale für Schwangere in solchen Fällen nicht abrechnen zu können.

Genug Hebammen in NRW?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 15.11.2018 11:41 Min. WDR 5

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Gynäkologe oder Hebamme

Das Problem ist nicht neu. 2016 wurden in NRW Fälle bekannt, bei denen Frauen Gynäkologen schriftlich versichern mussten, keine Hebamme zu haben. Nur dann sei eine Behandlung "erlaubt und möglich", hieß es damals von Seiten der Ärzte. Tatsächlich wollten sie so nur sicher gehen, ihre Behandlungspauschale zu bekommen.

Laut Dr. Rolf Englisch, Vorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte Westfalen-Lippe, ist der Streit beigelegt: "Die Schwangerenpauschale der Frauenärzte kann abgerechnet werden, wenn die Schwangere regelmäßig zum Frauenarzt geht."

Regelmäßige Termine beim Frauenarzt

Schwangerschaftsbauch

Regelmäßig Untersuchungen sind wichtig

Laut Abrechnungsbestimmungen bedeute das, dass die Frauen bis zur 30. Schwangerschaftswoche alle vier, danach alle zwei Wochen einen Termin beim Gynäkologen wahrnehmen sollten. "Eine zusätzliche Inanspruchnahme der Hebammenversorgung ist möglich", sagt Englisch.

Es dürfe aber nicht sein, dass der Gynäkologe nur die Ultraschall-Untersuchungen mache und die Hebamme die restliche Vorsorge. "Das halte ich auch medizinisch nicht für sinnvoll", so Englisch.

Barbara Blomeier, Hebamme: "Anforderungen haben sich geändert"

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Keine Doppeluntersuchungen

Doch nach den Mutterschaftsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses können Frauen auch den Großteil der Vorsorge von einer Hebamme durchführen lassen. Selbst wenn die Ärzte dann ihre Patientinnen nicht alle vier Wochen sehen, müssen sie nicht um ihre Arzt-Pauschale bangen.

"Die Mutterschaftsrichtlinie sieht eine Betreuung der Schwangeren durch Frauenärzte und Hebammen vor", sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Krankenkasse Barmer GEK. Und solange keine medizinisch unnötigen Doppeluntersuchungen gemacht würden, kommen die gesetzlichen Krankenkassen für die Kosten auf, bestätigt Rainer Lange, NRW-Sprecher der Krankenkasse DAK dem WDR.

Stand: 11.02.2019, 06:00

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