Kommentar: Laschets Niedergang ist hart

Stand: 08.10.2021, 13:15 Uhr

Er hat für die CDU das schlechteste Wahlergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik eingefahren, Kanzler kann er kaum noch werden, die Partei lässt ihn fallen. Harte Tage für Armin Laschet. Hendrik Wüst, sein Nachfolger im Amt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, hat jetzt einen respektvollen Umgang mit Laschet angemahnt. Denn viele Parteifreunde prügeln auf ihn ein.

Von Ferdinand Quante

Was soll ich jetzt hier machen? Laschets rasend schnellen Niedergang betrauern? Ich habe ihn nicht gewählt und sehr gehofft, dass er scheitert. Aber wie das gerade geschieht – das ist hart. Hart ist die Geschwindigkeit. Vom Kanzlerkandidaten zum Fußabtreter in knapp zwei Wochen.

Wahrscheinlich ist Laschet der Letzte im Lande, der an Jamaika glaubt, während seine Parteifreunde schon dabei sind, ihn abzuschieben Richtung Nirgendwo. Hart ist für ihn also auch, dass ihn kaum noch einer, vermutlich keiner mehr, ernsthaft stützt. Von einer Partei, die ihr Boot sinken sieht, kann man vielleicht nichts anderes erwarten. Der Kapitän hat ausgedient. Laschet ist für die CDU jetzt der größte gemeinsame Sündenbock.

Schert mich das? Ich meine, Laschet selbst erscheint äußerlich fast unverändert, ist irgendwie immer noch der lustige Bergmannssohn aus Aachen, wenn er auch sein Schmunzelgesicht nicht mehr so oft zeigt wie noch vor ein paar Tagen. Aber ich frage mich schon, wie einer das aushält: öffentlich geschreddert zu werden und dabei Haltung zu bewahren.

Unsereins käme morgens vor lauter Frust nicht mehr aus dem Bett, aber unsereins ist eben nicht Politiker, Spitzenpolitiker, und was diese besondere Spezies von uns Normalos unterscheidet, ist ihr Stehvermögen. Das brauchen sie vor allem. Politik ist traditionell ein gnadenloses Sägewerk.

Ich weiß ja nicht, wie das die nachwachsende Politikergeneration findet – abstoßend oder durchaus anziehend, weil ja plötzlich Platz für sie ist, wenn einer der alten Böcke ruckzuck zerlegt wird. Mich jedenfalls lässt das zu meinem eigenen Erstaunen nicht ganz kalt. Ich war ja nie Laschet-Freund, aber ein kleines bisschen Mitleid mit ihm hab ich schon.

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