Kommentar: Laschet im Hochwasser – Krisenmanager mit Klimaproblem

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) spricht bei seinem Besuch in Erftstadt

Kommentar: Laschet im Hochwasser – Krisenmanager mit Klimaproblem

Von Wolfgang Otto

Armin Laschet wirkt merkwürdig entrückt und so, als ob ihm die Hochwasser-Krise nicht in den Wahlkampf passt: Ein Kommentar von Landespolitik-Korrespondent Wolfgang Otto.

Ein Ministerpräsident sollte in einer Krise nah bei den Menschen sein. Als sich am Mittwoch die Hochwasser-Katastrophe anbahnte, war Ministerpräsident Armin Laschet weit weg – in Baden-Württemberg auf Wahlkampftour. Einige witterten – und twitterten – deshalb schon einen Skandal.

Aber Vorsicht, ganz so schlimm war die Sache nicht. Laschet machte sich schon am Mittwochabend auf den Weg nach Hagen, am Donnerstagmorgen war er da, wo er hingehörte: vor Ort. Das war angemessen schnell, finde ich.

Geste des Mitgefühls kam zu spät

Aber trotzdem blieb bei mir der Eindruck hängen, als passe dem NRW-Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten der Union die Hochwasserkrise nicht ins Wahlkampf-Konzept. Eine Geste des Mitgefühls und der Anteilnahme kam zwölf Stunden zu spät. Dabei weiß Laschet mit Twitter und Co. ansonsten gut umzugehen.

Auf die erwartbare Frage, ob er im Starkregen nicht auch einen Weckruf für mehr Klimaschutz sehe, reagierte er überraschend hölzern und widersprüchlich. Es sei jetzt nicht die Zeit für solche Debatten, meinte er fast beleidigt. Nothilfe sei jetzt vordringlich. Ja, man brauche mehr Tempo, aber eigentlich leiste NRW schon mehr als alle anderen im Kampf gegen den Klimawandel. Dabei war das gar keine böswillige Journalisten-Frage.

Laschet wirkte merkwürdig entrückt

Gerade die Menschen, denen die Klimakatastrophe soeben das Haus hinweggespült hat, treibt die Frage um. Deshalb wirkte Armin Laschet in diesen Tagen auf mich so merkwürdig entrückt – obwohl er hier mit beiden Beinen im Schlamm stand.

Stand: 17.07.2021, 17:25

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