ADAC macht Kehrtwende beim Tempolimit - ein Kommentar

Ein Straßenwärter hält an der Autobahn A81 ein Schild mit der Aufschrift "130" in den Händen.

ADAC macht Kehrtwende beim Tempolimit - ein Kommentar

  • ADAC vermeidet klares Ja oder Nein
  • Unklares Meinungsbild in Sachen Tempolimit
  • Tempolimit wird wohl kommen

In der Debatte über ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen können sich Gegner einer solchen Geschwindigkeitsbegrenzung künftig nicht mehr auf Rückendeckung durch den ADAC stützen. Der Automobilclub bekräftigte am Freitag, dass er sich "bis auf weiteres einer Empfehlung an die Politik zum allgemeinen Tempolimit" enthalten wolle. Hintergrund ist demnach das "unklare" Meinungsbild innerhalb der Bevölkerung und bei den ADAC-Mitgliedern in dieser Frage. 

Ein Kommentar von Martin Gent aus dem QUARKS-Team beim WDR:

Das Thema Autobahn-Tempolimit schwappt immer wieder auf den Schreibtisch. Es ist mindestens die achte große Welle seit dem Jahr 2000. Neue Argumente selten, Positionen bekannt, Bundesregierung in Abwehrhaltung und absurde Reisen chinesischer Autofahrer ins Vollgas-Land.

Viele Gründe für Tempolimit

Viel spricht für ein Tempolimit auf Autobahnen. Der wissenschaftliche Beirat des Bundesverkehrsministers plädierte schon vor zehn Jahren für Tempo 130: mehr Sicherheit, weniger Lärm und Abgase, weniger Spritverbrauch und in Folge weniger CO2, ja sogar mehr Kapazität auf den Schnellstraßen, weil der Verkehr gleichmäßiger fließt – was auch bedeutet: weniger Stress beim Autofahren.

Überholtes Freiheitsverständnis

Die wichtigsten Gegenargumente sind, der Wunsch der Automobilindustrie nach Überhol-Prestige, Reisezeit-Gewinne – häufig überschätzt - und ein überholtes Freiheitsverständnis mancher Autofahrer, wofür immer wieder die "Freie Fahrt für freie Bürger" hervorgekramt wird. Die Kampagne von 1974 klebt am ADAC, obwohl sich der Club längst davon verabschiedet hat.

Manchmal ist der ADAC nämlich mehr als plumpe Autolobby, machte sich 2011 im Clubmagazin "Motorwelt" für Radfahrer stark und titelte "Platz da für alle", erfand mit dem Eco-Test ein Prüfverfahren für halbwegs umweltverträgliche Automodelle und sparte während des Dieselskandals nicht mit Kritik an der Automobilindustrie. Oft war der alternative Verkehrsclub VCD dem großen Bruder voraus. Aber wenn der ADAC nachzog, hatte das angesichts der vielen Mitglieder Wirkung in der Politik. So wird es jetzt auch beim Tempolimit sein.

Autoindustrie wird nachdenklicher

Weil die Mitglieder in Befürworter und Gegner gespalten seien, positioniert sich der ADAC neutral zum Tempolimit auf Autobahnen, argumentiert weder pro noch contra. Das ist neu und baut eine Brücke für Verkehrsminister Andreas Scheuer, der jeden Vorstoß bislang reflexartig ablehnte. Zumal auch die Tempolimit-Gegner in der Autoindustrie nachdenklicher werden.

Brauchen wir ein Tempolimit?

WDR 5 Tagesgespräch 27.12.2019 44:06 Min. Verfügbar bis 26.12.2020 WDR 5

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Weil bei hohem Tempo die Akkus ratzfatz leer sind, haben viele E-Autos ein längst ein technisches Tempolimit eingebaut. Und spätestens wenn das pilotierte Fahren kommt, wird das eingebaute Limit bei 130 liegen. Sprich: Wer E-Autos und Assistenzsysteme verkaufen möchte, hat gegen ein generelles Tempolimit nur noch wenig einzuwenden. Könnte also gut sein, dass die endlose Diskussion ums Tempolimit endlich ein Ende findet.

Stand: 24.01.2020, 19:55

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