Kölns OB Reker trotzt Morddrohung

Kölns OB Reker trotzt Morddrohung

Von Jochen Hilgers und Nina Magoley

  • Politiker trotzen den Drohungen Rechtsextremer
  • Erster öffentlicher Auftritt von Kölner Oberbürgermeisterin Reker seit Morddrohung
  • Bundespräsident Steinmeier: Alarmzeichen für Demokratie

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Sonntag (23.06.2019) zum gemeinsamen Eintreten gegen Hass und Gewalt aufgerufen. Wenn heute "Repräsentanten der Demokratie", darunter Bürgermeister und Kommunalpolitiker, bedroht und tätlich angegriffen würden, dann sei das "ein Alarmzeichen für unsere Demokratie", sagte er mit Blick auf den vor wenigen Wochen getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und ihr Amtskollege Andreas Hollstein aus Altena hatten Morddrohungen erhalten, nachdem sie sich nach der Tötung Lübckes für eine weltoffene Gesellschaft ausgesprochen hatten.

Am Sonntag (23.06.2019) trat Reker das ersten Mal nach dieser Morddrohung in die Öffentlichkeit. Ohne Personenschützer eröffnete sie die Aktion "Straßenland" auf der autofreien Kölner Nord-Süd-Fahrt. Am Abend ist sie Gast in der ARD-Sendung "Anne Will".

Henriette Reker beim Straßenfest auf der Nord-Südfahrt

Henriette Reker beim Straßenfest auf der Nord-Südfahrt

Kein Zurückweichen

"Wir müssen unsere Werte von Freiheit, Toleranz und Vielfalt verteidigen", sagte Reker im WDR. Dafür dürfe man "nicht zurückweichen und sich keine Angst machen lassen". Sie habe schon schlimmere E-Mails als die vom vergangenen Mittwoch bekommen.

"Ich denke, wer mich umbringen will, schreibt mir vorher keine E-Mail", sagte Reker wörtlich. Vor vier Jahren war sie Opfer einer Messerattacke geworden.

Der Täter, der zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde, hatte im Prozess angegeben, aus rechtsextremistischer Gesinnung gehandelt zu haben. Reker habe eine ausländerfreundliche Politik betrieben, hatte er dem Gericht gesagt.

Interview mit Henriette Reker über Morddrohung per E-Mail

WDR Studios NRW 23.06.2019 03:23 Min. WDR Online

Menschen abholen

Henriette Reker beim Straßenfest auf der Nord-Südfahrt

Reker: Ohne Personenschutz beim Straßenfest in Köln

Reker zeigte sich am Sonntag besorgt über das derzeitige politische Klima. Von Ausgrenzung halte sie aber nicht viel.

"Ich würde mir wünschen, dass wir Kontakt aufnehmen auch zu denen, die sich abgehängt fühlen. Zu denen, die nicht verstehen, dass die Welt sich ändert. Wir müssen noch vielmehr nach den Menschen gucken, die sich in dieser Gesellschaft nicht mehr aufgehoben fühlen", sagt sie in dem WDR-Interview.

Kein Polizeischutz

Ein Zurückweichen kommt für die 62-Jährige nicht in Frage. Keinen einzigen Auftritt werde sie wegen einer möglichen Bedrohungslage absagen, versichert sie. Die Oberbürgermeisterin äußert Verständnis für Kommunalpolitiker, die sich nicht mehr einem Risiko aussetzen möchten.

Von Polizei- und Personenschutz halte sie wenig. Sie sei davon überzeugt, dass es in der Kommunalpolitik entscheidend darauf ankomme, den Austausch und die ständige Begegnung mit den Bürgern zu haben.

Stand: 23.06.2019, 17:40

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