Kölner Erzbischof Woelki darf im Amt bleiben

Kölner Erzbischof Woelki darf im Amt bleiben

Papst Franziskus wird den Kölner Erzbischof Woelki nicht abberufen. Nach WDR-Informationen wird Woelki vom Vatikan aber scharf gerügt. Woelki steht wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in der Kritik.

Nach dem Besuch zweier Visitatoren aus dem Vatikan, ist jetzt eine Entscheidung gefallen. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bleibt! Das hat Papst Franziskus entschieden.

Es habe sich kein Hinweis darauf ergeben, dass Woelki im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat, heißt es aus dem Vatikan. Fehler sehe man allerdings bei der Kommunikation im Rahmen der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. "Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört", heißt es wörtlich in einer offiziellen Mitteilung.

Papst Franziskus bekennt sich zu Kardinal Woelki. Allerdings gewährt er ihm auf eigenen Wunsch eine Auszeit von Mitte Oktober bis zum Beginn der Fastenzeit Anfang März kommenden Jahres. Während dieser Zeit wird der Erzbischof vom amtierenden Weihbischof Rolf Steinhäuser vertreten.

Maria 2.0: Papst war sehr milde

Maria Mesrian von Maria 2.0

Maria Mesrian von Maria 2.0

Maria Mesrian von der Reformbewegung Maria 2.0 empfindet die Entscheidung des Papstes als eine "große Erleichterung", da sie erstmal Druck rausnehme. Gleichzeitig kritisiert sie im Interview mit dem WDR aber auch das Vorgehen: "Es wird nicht vergessen wie die Bistumsleitung mit den Betroffenen umgegangen ist. Und da ist der Papst sehr milde in seinem Urteil - wie über Jahrzehnte auch hier und in allen Diözesen in Deutschland vertuscht worden ist." Mesrian will mit Maria 2.0 weiter für die Betroffenen da sein und dafür kämpfen, dass die Kirche "wirklich in diesen Abgrund schaut und daraus richtige Konsequenzen zieht."

Zentralkomitee versteht Entscheidung nicht

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hält die Auszeit von Kardinal Woelki für keine Lösung der Vertrauenskrise: "Es ist völlig unklar, was am Ende einer solchen Auszeit stehen kann und sie ist nicht geeignet, um verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen."

Auch Peter Barzel, der im Mai die "Rote-Karten-Aktion" in Düsseldorf mitorganisiert hat, glaubt, dass der jetzige Beschluss nicht lösungsorientiert ist: "Auch mit diesem Schritt wird die Glaubwürdigkeit der Kirche nicht gestärkt, sondern eher weiter geschwächt."

Woelki bedauert eigenes Handeln

In einem kurzen Pressestatement gesteht Kardinal Woelki Fehler ein, die er im Hinblick auf die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und der Kommunikation gemacht habe. Woelki bedauere insbesondere, die durch sein Handeln ausgelöste Retraumatisierung von Betroffenen.

"Das tut mir aufrichtig und von Herzen leid und weh." Kardinal Woelki

Woelki verweist aber auch darauf, dass Papst Franziskus "weiter auf [ihn] zählt", weiter auf ihn baut und explizit vom Heiligen Stuhl für die "Aufarbeitung, die Entschiedenheit und die Entschlossenheit" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal gewürdigt wurde.

Pressestatement Kardinal Woelki 03:09 Min. Verfügbar bis 24.09.2022

Die Entscheidung des Papstes basiert auf den geheimen Untersuchungsergebnissen der Visitatoren, Hans van den Hende und Anders Arborelius. Die beiden Geistlichen waren Anfang Juni 2021 im Auftrag des Papstes nach Köln gereist, um sich ein Bild über die aktuellen Zustände im Kölner Erzbistum zu machen. So sollten sie vor allem untersuchen, ob Fehler beim Umgang mit Fällen von sexuellen Missbrauch gemacht worden sind.

Erzbistum Köln in Krise

Kardinal Woelki hatte ein erstes Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt zurückgehalten. Grund dafür seien, laut Erzbistum Köln, methodische Mängel gewesen. Seitdem befindet sich das größte deutsche Bistum in einer Glaubwürdigkeitskrise.

Auch Schwaderlapp und Puff bleiben im Amt

Die beiden Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff bleiben ebenfalls im Amt. Schwaderlapp möchte sich aber ein Jahr Auszeit nehmen und als Seelsorger in Kenia arbeiten. Er erhoffe sich von dieser Zeit eine innere Reifung und Erneuerung.

Ansgar Puff wird nach aller Voraussicht nach bereits in der kommenden Woche sein Amt wieder aufnehmen. Für ihn sei dies "kein 'weiter so'". Die letzten Monate in einem Altenzentrum und in der Obdachlosenseelsorge haben ihn verändert, so Puff in einer persönlichen Stellungnahme. Sein Ziel sei es, "in der Zukunft so zu arbeiten und zu leben, dass Menschen mir wieder Vertrauen schenken können."



Stand: 24.09.2021, 15:43

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