Ausgangssperre in Köln: Leere Straßen, Proteste und eine illegale Party

Ausgangssperre in Köln: Leere Straßen, Proteste und eine illegale Party

Von Oliver Köhler

Seit Samstag gilt in Köln eine nächtliche Ausgangsbeschränkung. Die Bilanz der ersten Nacht: menschenleere Straßen und Plätze, aber auch eine illegale Party.

Rauschschwaden auf dem Barbarossaplatz in der Kölner Innenstadt – gegen 20 Uhr am Samstagabend versammeln sich etwa 100 schwarzgekleidete Männer und Frauen auf dem Platz. Sie zünden Bengalos und sprühen Parolen gegen die Ausgangsbeschränkungen auf Schaufenster. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Beamte stellen etwa 30 mutmaßliche Teilnehmer. Die autonome Szene bekennt sich auf Twitter zu der Protestaktion.

Mit Beginn der Ausgangsbeschränkung um 21 Uhr ist es wieder ruhig auf den Kölner Straßen. Die Polizei hat in der gesamten Innenstadt Streifenwagen postiert, um weitere Aktionen der Szene zu verhindern. Es bleibt ruhig.

Menschenleere Straßen und Plätze im Köln

Streifen des Ordnungsamtes sehen sich unterdessen an all den Orten in der Stadt um, an denen sich normalerweise Menschen im Freien zu einem Bier, zum Chillen oder zum Protzen mit dicken Autos treffen. In dieser Nacht sind in den Parks und am Kölner Rheinufer keine Gruppen zu sehen. Wenn Menschen in der Stadt unterwegs sind, dann meist nur alleine, zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit dem Auto.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes weisen die Passanten auf die Ausgangssperre hin und schicken sie nach Hause. „Bis 23.30 Uhr hätte ich gesagt, das läuft wirklich gut in der Stadt, die Menschen halten sich an die Ausgangsbeschränkungen, „ sagt Florian Westerhausen. Er ist in dieser Nacht Einsatzleiter des Ordnungsamtes. „Wir mussten nur ganz selten Bußgelder androhen. Wenn wir Leute auf der Straße angetroffen haben, dann waren das meist Menschen, die aus anderen Städten kamen und von den Ausgangsbeschränkungen in Köln nichts wussten“.

Party mit Musik und Drogen

Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts stehen im Dunkeln vor einem Zaun und leuchten mit einer Taschenlampe.

Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts

Aber um 23.30 Uhr bekommt das Ordnungsamt einen Hinweis auf eine Party mit Musik und Drogen. Die Feier soll in einer abgelegenen Hütte im Kölner Stadtteil Porz steigen. Zivilbeamte beobachten das Gelände. Sie hören Musik, riechen den Rauch von Marihuana.

Das Ordnungsamt macht sich mit 10 weiteren Beamten auf den Weg zu der Hütte. Sie schlagen sich im Dunkeln durch das Unterholz eines Wäldchens, umstellen die Hütte. Als die Beamten das Tor zu dem Komplex aus Holzhütten öffnen, flüchten Männer und Frauen in den Garten, verstecken sich auf Dächern oder versuchen, durch den Wald zu entkommen. Das Ordnungsamt zählt am Ende 35 Männer und Frauen. „Einige von ihnen haben uns berichtet, dass sie Mediziner seien und hier eine Examensparty feiern. Sie seien ja geimpft, deshalb sei das ja nicht so schlimm“, erzählt Einsatzleiter Westerhausen.

Mediziner feiern illegale Party während Kollegen in Intensivstationen um Leben kämpfen

Unter den Partygästen waren auch Lehrer, unter anderen von einem Kölner Gymnasium. Das Ordnungsamt hat Namen und Adressen der Feiernden überprüft. „Ihnen drohen jetzt jeweils 250 Euro Bußgeld, dem Veranstalter sogar 500 Euro“, sagt Florian Westerhausen.

Dass ausgerechnet Mediziner in der dritten Welle der Pandemie in einem engen Raum ohne Lüftung eine Party feiern, während ihre Kollegen in den Intensivstationen um Menschenleben kämpfen, ist erschütternd.“

Falls die Mediziner in Kliniken der Stadt Köln beschäftigt sind, sollen dienstrechtliche Konsequenzen geprüft werden. Im Fall der Lehrer werden die Schulen über ein mögliches Infektionsrisiko auf der illegalen Party  informiert.    

Stand: 18.04.2021, 07:48

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