Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl ausverkauft: Darum ist Hamstern keine Lösung

Stand: 15.03.2022, 13:22 Uhr

In deutschen Supermärkten ist das Sonnenblumenöl teilweise ausverkauft. Viele Verbraucher fürchten eine Verknappung durch den Ukraine-Krieg. Doch Hamstern verschärft die Lage zusätzlich.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist es in den Geschäften in NRW ein wenig wie zu Beginn der Corona-Pandemie: Damals wurde Toilettenpapier gehamstert, jetzt fehlt Sonnenblumenöl in den Regalen. Was passiert da gerade? Antworten auf Fragen rund ums Speiseöl und andere Lebensmittel.

Warum ist Sonnenblumenöl knapp?

Die Gründe für den derzeitigen Engpass sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielt der Krieg in der Ukraine. Die wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl weltweit sind die Ukraine und Russland. Deutschland deckt seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu mehr als 90 Prozent über Importe.

Dazu kommen aber noch andere Faktoren, etwa Ernteausfälle in Nordamerika und Probleme mit den Lieferketten wegen Corona. Zusätzlich sorgen übermäßige Vorratskäufe für leere Regale.

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Was ist an Vorratskäufen problematisch?

Übermäßiges Einkaufen auf Vorrat setzt die Lieferketten unter Druck, sagt der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Wenn die Nachfrage unverhältnismäßig steige, gerate die gesamte Lieferlogistik aus dem Tritt.

Die Kunden sollten sich solidarisch verhalten und Produkte nur in haushaltsüblichen Mengen einkaufen, sagte Verbandssprecher Christian Böttcher am Dienstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

In deutschen Supermärkten sind Lebensmittel wie Öl ausverkauft

Leere Regale im Supermarkt: Sonnenblumenöl ist ausverkauft!

Wie lange ist Sonnenblumenöl noch erhältlich?

Noch habe der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels keine Informationen über eine flächendeckende Unterversorgung mit Sonnenblumenöl im deutschen Einzelhandel, sagte BVLH-Sprecher Böttcher am Dienstag.

Sonnenblumenöl könnte allerdings schon in einigen Wochen in Deutschland Mangelware werden. Davon geht der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) aus. Nachschub aus der Ukraine - dem wichtigsten Lieferland für Sonnenblumenöl - gebe es derzeit nicht, sagte Ovid-Geschäftsführer Gerhard Brankatschk am Montag.

Gibt es Alternativen zu Sonnenblumenöl?

Ja, Verbraucherinnen und Verbraucher könnten problemlos auf andere Speiseöle wie Rapsöl umsteigen, so der Ovid-Geschäftsführer Brankatschk. Hier seien keine Engpässe zu erwarten. Es gibt aber auch noch weitere Alternativen zum Kochen und Backen.

Dazu gehören Butter- und Schweineschmalz sowie Kokosfett, die auch höhere Temperaturen vertragen. Nur bedingt zum Braten eignen sich allerdings Margarine und Butter: Die Temperaturen dürfen nicht zu hoch sein, sonst verbrennen die beiden Stoffe.

Sonnenblumenöl tanken: Ist das eine gute Idee?

Nein, sagt der ADAC. Pflanzenöl sei zwar aktuell günstiger als Benzin oder Diesel. Aber beides seien keine Alternativen für den Fahrzeugtank und sollten deswegen unter gar keinen Umständen getankt werden. Einer der Gründe: Pflanzenöle im Tank können zu Startschwierigkeiten führen.

Auch die Lebensdauer der Motoren könne beeinträchtigt werden. Im schlimmsten Fall könne es zu einer verminderten Motorleistung kommen oder sogar zu einem Motorschaden. Auch Schäden am Kraftstoffsystem seien möglich. Wer trotzdem auf Pflanzenöl setzt, sollte wissen: Auch das unterliegt – wird es als Kraftstoff genutzt – der Energiesteuer. Wer die Steuer nicht zahlt, macht sich strafbar.

Welche Lebensmittel werden noch knapp?

Schätzungen zufolge werden wegen des Krieges rund vier Millionen Tonnen weniger Weizen aus der Ukraine kommen. Eigentlich gilt das Land als größter Getreideexporteur für Europa und die Welt. Doch fällt eine so große Menge weg, wird Weizen automatisch teurer - auch wenn Länder wie Australien gute Ernten haben.

"Wir haben grundsätzlich genügend Lebensmittel weltweit", sagte Mathias Mogg, Generalsekretär der Welthungerhilfe, am Montag dem WDR. "Aber sie müssen auch dahin kommen, wo sie jeweils gebraucht werden." Das aber kostet viel Geld. Die Folge: Ob Brot, Nudeln oder der Kuchen beim Bäcker - auch hier werden die Preise unvermeidlich steigen.

Droht eine Notlage bei der Versorgung?

Bei uns nicht, sagt der Handelsverband Deutschland (HDE). Deutschland sei demnach wie die Ukraine Lebensmittelexporteur bei Fleisch, Weizen und Milchprodukten. Auch Bundesagrarminister Cem Özdemir sieht die Versorgung als "gesichert" an, warnte jedoch vor Preissteigerungen.

Während die Auswirkungen auf Deutschland demnach begrenzt sind, hatte UN-Generalsekretär António Guterres zuletzt vor einem "Wirbelsturm des Hungers" weltweit gewarnt. Die internationale Gemeinschaft müsse handeln, um einen "Zusammenbruch des globalen Nahrungssystems" zu verhindern.

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