Zur Diskussion: Weniger Kliniken besser für Patienten?

Detailaufnahme von Operationswerkzeugen eines Chirurgen der unscharf im Hintergrund bei Arbeit ist.

Zur Diskussion: Weniger Kliniken besser für Patienten?

  • "Jeder mit Fachexpertise sagt: Das geht so nicht weiter"
  • "Viele Kliniken sind zu klein, um Erfahrungen sammeln zu können"
  • "Lieber ein paar Minuten länger fahren"

Mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland sollte nach Ansicht von Fachleuten geschlossen werden, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Montag (15.07.2019) veröffentlicht wurde.

"Das geht so nicht weiter"

"Wir haben jetzt zwei Jahre lang insgesamt recherchiert, ich habe wahnsinnig viel mit Leuten im Gesundheitssystem gesprochen, mit Ärzten, mit Chefs von großen und kleinen Krankenhäusern, mit Chefs von Krankenhäusern, die geschlossen wurden: Jeder einzelne Mensch mit Fachexpertise, der nicht einer Vereinigung angehört, sagt Ihnen: 'Das geht so nicht weiter, das ist gefährlich, wir können es besser machen.'"

Meike Hemschemeier hat als Medizinjournalistin für die ARD die Hintergründe dieser Studie recherchiert. Am Montagabend zeigt Das Erste ihre Ergebnisse in der Story "Krankenhäuser schließen - Leben retten?".

ARD-Medizinjournalistin Hemschemeier: "Die These ist nicht pauschal zu verstehen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 15.07.2019 05:56 Min. Verfügbar bis 14.07.2020 WDR 5

Download

"Wir verteilen die Patienten auf viel zu viele Kliniken"

"Wir verteilen die Patienten, die wir haben, auf viel zu viele Kliniken. Und was herauskommt, ist: In vielen Kliniken sind eben die Mengen viel zu klein, um einerseits die Erfahrung zu sammeln, die nötig ist, um diese Behandlungen durchzuführen, andererseits um auch Personal und Apparate vorhalten zu können, die eine adäquate Behandlung auf heutigem Niveau ermöglichen."

Thomas Mansky, Arzt und Informatiker, ehemals TU Berlin

"Lieber ein paar Minuten länger fahren"

"Wenn ein Schlaganfallpatient die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen entsprechend qualifizierten Arzt und nicht die medizinisch notwendige Fachabteilung vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden."

Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Übrigens: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat erst vor wenigen Tagen auf die Bedeutung einer schnell erreichbaren Versorgung vor Ort hingewiesen. Am Montag (15.07.2018) reist Spahn in das Kosovo, um dort mit seinem Amtskollegen Uran Ismaili eine Vereinbarung zur Anwerbung von Pflegekräften zu unterzeichnen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Stand: 15.07.2019, 08:02

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen