"Die Fichte ist Geschichte": Der Klimawandel vor der Haustür

Ein trockener Fichtenast liegt auf dem trockenen Waldboden

"Die Fichte ist Geschichte": Der Klimawandel vor der Haustür

Von Chris Hulin

Der Klimawandel ist da - und zwar hier in NRW, direkt vor unserer Haustür. Es geht um Wälder und Stadtbäume, tropische Nächte und den immer früheren Frühling. Einige Klimawandel-Beispiele aus NRW.

Der Wald stirbt – und das sieht man. Gelbbraune Flächen im Wald, dort, wo der Borkenkäfer und die Trockenheit den Fichten den Garaus gemacht hat. Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW sagt sogar: "Die Fichte ist Geschichte." Die Fichte, die gut in nördlichen Breiten und in den Bergen wächst, kommt mit den steigenden Temperaturen und der Trockenheit in NRW nicht mehr zurecht. Vergangenes Jahr, so Blaschke, ging man noch davon aus, dass Fichten unterhalb von 400 Metern temperaturbedingt nicht mehr wachsen können. Dieses Jahr hat man die Zahl auf 600 Meter korrigiert.

Stichwort: Klimawandel

Der Klimawandel ist ein schleichender Prozess. Weil Menschen aber eher kurzfristige Veränderungen wahrnehmen, spüren wir das nicht so einfach. Beispiel: Wir stöhnen unter einer Hitzewelle, bemerken aber nicht den schleichenden Anstieg der Durchschnitts-Temperaturen. Doch gerade dieser Anstieg der Mittelwerte verändert unsere Umwelt nachhaltig.

"Der Klimawandel ist nicht jetzt angekommen – sondern wir stecken mittendrin", sagt WDR-Wetterexperte Jürgen Vogt. Nicht die einzelnen großen Wetterereignisse zählten, sondern entscheidend sei die Vielzahl dieser Ereignisse, um einen Trend auszumachen.

Auch Stadtbäume müssen mit Hitze, Schadstoffen, weniger Wasser und neuen Schädlingen zurechtkommen. So stehen Kastanien quasi auf der roten Liste fürs Stadtgrün, seit die schädlichen Miniermotten den Weg aus Südosteuropa nach NRW geschafft haben.

Ist doch schön, wenn die Sonne scheint!

Apfelblüten an einem Ast

Sie blühen immer früher

Klar, es ist schön, schon im April auf einer Wiese zu picknicken. Und unser Gefühl trügt nicht: Es wird im Jahr früher warm als noch vor 30 oder 40 Jahren. Sehr gut sehen kann man das an der Apfelblüte. Denn wenn die Apfelbäume blühen, sprechen Meteorologen vom Frühling. Lag der Beginn der Apfelblüte in den 50er Jahren noch Ende April, blühen die Bäume inzwischen gut zwei Wochen früher. 2019 war es beispielsweise der 15. April.

Weiße Weihnachten – immer seltener

Eine schneebedeckte Landschaft

Schnee am Kahlen Asten - nicht mehr zuverlässig

Auf dem kahlen Asten, dem höchsten Punkt des Landes, werden die Schneetage in NRW gemessen. Wenn dort einen Tag lang eine zehn Zentimeter dicke Schneedecke liegt, gilt das als Schneetag. Deren Anzahl hat sich von 1951 bis 2019 um 31 Tage pro Jahr verringert. Gab es in den 80er Jahren noch vereinzelt Jahre mit über 100 Schneetagen, waren es 2019 nur noch 58.

Neue Tiere und Pflanzen

Viele Wespen sitzen in einem Glas mit einer süßen Flüssigkeit

Profiteurinnen der Trockenheit

Der Klimawandel produziert auch Gewinner unter Tieren und Pflanzen. Dirk Jansen vom BUND NRW zählt die Wespe zu den Gewinnern. Sie profitiert von trockenen Frühlingen. Und auch das Hummelschwänzchen, ein Schmetterling, der an einen Kolibri erinnert, hat inzwischen aus dem Mittelmeerraum den Weg nach NRW gefunden. Zu den unangenehmen Einwanderern gehört laut Dirk Jansen vom BUND die asiatische Tigermücke. Die ist auch tagsüber aktiv, fliegt unhörbar und hinterlässt dicke, juckende Stiche - und sie gilt als Krankheitsüberträger.

Stand: 25.09.2020, 11:01

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