Klimaschutz: Kommunen schaffen es nicht allein

Bei einer Klimademo wird eine aufblasbare Weltkugel über den Köpfen hin und her geworfen

Klimaschutz: Kommunen schaffen es nicht allein

  • Köln verschreibt sich als Mitglied vom "Klima-Bündnis" ehrgeizige Ziele
  • Die Kommune hat einen großen CO2-Fußabdruck
  • Bürgermeister Wolter fordert mehr Geld von Land und Bund

Andreas Wolter (Grüne) ist Bürgermeister von Köln und damit einer der vier Stellvertreter von OB Henriette Reker.

WDR: Welche Ziele hat das "Klima-Bündnis", dessen Vorsitzender Sie sind?

Andreas Wolter

Andreas Wolter, Kölner Bürgermeister

Andreas Wolter: Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von 1.700 Kommunen, Kreisen und Regionen in 26 europäischen Ländern. Uns gibt es schon über 25 Jahre und wir haben uns zum Ziel gesetzt, mehr zu tun als die nationalen Regierungen vereinbaren.

WDR: Um die Klimaziele erreichen zu können, darf jeder einzelne laut Berechnungen rund 2 Tonnen C02 pro Jahr emittieren. In Köln sind es immer noch zehn Tonnen pro Kopf. Das "Klima-Bündnis" mit den ambitionierten Zielen gibt es schon 25 Jahre. Was ist schief gelaufen?

Wolter: Bis 2020 hatten wir uns in Köln eine Reduktion der Emissionen um 20 Prozent vorgenommen. Das werden wir fast schaffen. Jetzt wird es schwieriger. Wir haben zum Beispiel in Köln-Merkenich noch ein großes Braunkohlekraftwerk. Es gibt auch schon einen Ratsbeschluss, heraus zu gehen und nach alternativen Energieerzeugungsmethoden zu suchen.

WDR: In einem neuen Maßnahmenprogramm der Stadt steht, man müsste bis 2030 rund 4 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Gleichzeitig liest man dort, bis 2022 könnten maximal 12.000 Tonnen eingespart werden – ungefähr ein Prozent.

Wolter: Das ist völlig richtig. Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass das nicht reicht. Jetzt geht es ans Eingemachte. Wir müssten uns aber massiv verschulden und an anderen Stellen kürzen.

Wir haben beispielhaft durch den Verkehrsverbund Rheinsieg errechnen lassen, ob man ein 365-Euro-Ticket einführen kann. Dann hätten wir Mehrkosten von 120 Millionen Euro. Da zeigt sich die Dimension. Die Förderung für solche Vorhaben muss auch von Bund und Land kommen. Das sehen wir aber im Moment noch nicht.

WDR: Wenn also nicht mehr vom Bund kommt, wird der Klimaschutz auf der Strecke bleiben?

Wolter: Deswegen gibt es in Köln jetzt auch einen Klimanotstand. Wir können die Ziele definieren und zeigen, wie wir da hinkommen, aber wir kriegen das einfach nicht finanziert. Vor dem Hintergrund der "Fridays for Future" werden wir auch nochmal einen Hilferuf an die Kanzlerin senden. Wir müssen nach Lösungen suchen, wie die Aufgaben verteilt werden.

WDR: Gibt es mit dem Notstand denn die Bereitschaft für radikalere politische Maßnahmen? Oder macht man so weiter wie bisher?

Wolter: Nein, es wird kein Weiter wie bisher geben. Deswegen würde es mich freuen, wenn wir aus dem Braunkohlekraftwerk, das wir im Kölner Norden haben, aussteigen. Das sehe ich als prioritär an.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 11.07.2019, 06:00

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