Klimapaket: Wer zahlt drauf, wer gewinnt?

Bundeskabinett verabschiedet Klimapaket WDR aktuell 09.10.2019 Verfügbar bis 16.10.2019 WDR Von Ines Karschöldgen

Klimapaket: Wer zahlt drauf, wer gewinnt?

Von Christian Wolf /Jörn Seidel

  • Bundesregierung billigt Klimaschutzpaket
  • Verbraucher bekommen Auswirkungen zu spüren
  • Verbraucherschützer: Mittelschicht wird am meisten belastet

Zweieinhalb Wochen nach der Einigung auf ein Klimapaket hat die Bundesregierung am Mittwoch (09.10.2019) das Programm offiziell gebilligt. Es soll helfen, die Klimaziele für die kommenden Jahrzehnte zu erreichen. Für Verbraucher hat das konkrete Auswirkungen.

Welche Mehrbelastungen wird es geben?

Wenn ab 2021 ein CO2-Preis eingeführt wird, führt das zu höheren Ausgaben. Laut der Verbraucherzentrale wird der Liter Benzin dadurch um drei Cent teurer. In den Jahren danach steigt dieser Wert, da auch der CO2-Preis erhöht wird.

Ein Flugzeug steigt gerade in die Luft.

Durch eine höhere Ticketsteuer wird das Fliegen teurer

Beim Fliegen wird sich eine höhere Ticketsteuer auswirken. Im kommenden Jahr werden die Preise für Flüge im Inland und in EU-Staaten um rund drei Euro steigen. Bei Flügen mit bis zu 6.000 Kilometern zum Ziel soll die Ticketsteuer um neun Euro steigen, bei noch weiteren Fernstrecken um 16 Euro.

Klimapaket : Wer zahlt drauf, wer gewinnt?

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.10.2019 05:57 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 WDR 5

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Gibt es auch Entlastungen?

Strommast vor Sonnenuntergang

Strom könnte billiger werden

Ja, unter anderem soll die EEG-Umlage gesenkt werden, sagt der Verbraucherzentrale-Bundesverband. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr werde dadurch bei einem Strompreis von 30 Cent/kWh im Jahr 2021 neun Euro einsparen. 2023 würden es 22 Euro pro Jahr sein.

Wer pendelt, wird ebenfalls profitieren. Denn die Pendlerpauschale wird ab dem 21. Kilometer von 2021 an von 30 auf 35 Cent pro Kilometer erhöht. Diesen Betrag darf man pro Arbeitstag von den zu versteuernden Einkünften abziehen. Bahntickets für den Fernverkehr werden zudem um zehn Prozent billiger, da die Mehrwertsteuer sinkt.

Zwar werde mit dem Klimaschutzpaket künftig auch die energetische Gebäudesanierung steuerlich gefördert. Unterm Strich hätten die Bürger dadurch aber keinen Vorteil, sagte Thomas Engelke vom Verbraucherzentrale-Bundesverband dem WDR. Denn es gebe auch weiterhin den Investitionszuschuss der KfW-Bank.

Welche Einkommensgruppen werden all das spüren?

"Das Klimapaket belastet am meisten eigentlich die Mittelschicht. Und es belastet auch Haushalte mit einem geringen Einkommen, die aber nicht von Transferleistungen profitieren", sagt Matthias Kalkuhl vom Klima-Forschungsinstitut MCC.

Zwar werde Heizen oder Autofahren auch für Personen mit höheren Einkommen teurer - sie würden die Auswirkungen aber weniger spüren. Wer eh wenig verdiene, für den fielen höhere Energiekosten mehr ins Gewicht. Wenn der CO2-Preis bis 2026 wie geplant steige, müssten Geringverdiener 150 bis 250 Euro pro Jahr und Haushalt mehr ausgeben.

Übrigens: Die Verbraucherzentralen schlagen einen ganz anderen Mechanismus vor. Die höheren Ausgaben durch einen CO2-Preis sollen an die Verbraucher zurückfließen - in Form von Klimaschecks. Dadurch steige die Akzeptanz in der Bevölkerung. Länder wie Schweden oder die Schweiz hätten es vorgemacht.

Klimapaket der GroKo: Wer zahlt die CO2-Rechnung? Westpol: Eins zu eins 18.09.2019 29:09 Min. Verfügbar bis 18.09.2020 WDR

Stand: 09.10.2019, 20:51

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