Klimanotstand: Von Tönisvorst bis ganz Europa

Rucksack und Taschen mit Plakat "Klimanotstand ausrufen"

Klimanotstand: Von Tönisvorst bis ganz Europa

  • EU-Parlamentarier haben Klimanotstand für Europa ausgerufen
  • Rund 40 NRW-Kommunen haben bereits den Klimanotstand ausgerufen
  • Der Schritt ist laut einer Studie mehr als nur ein symbolischer Akt

Europa hat als erster Kontinent einen Klimanotstand ausgerufen. Die Abgeordneten des EU-Parlaments in Straßburg stimmten am Donnerstag (28.11.2019) mit großer Mehrheit für eine entsprechende Resolution. Dies sei ein symbolischer Akt, der Druck für konkrete Gesetzgebung aufbauen soll, heißt es im Antrag. Alles nur symbolisch?

"Wissenschaftliche Erkenntnisse sind Fakt und nicht symbolisch"

Mehr als 11.000 Wissenschaftler haben kürzlich ebenfalls den Klimanotstand ausgerufen. Sie warnen vor unsäglichem menschlichen Leid. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind Fakt und nicht symbolisch gemeint. Deshalb kann es nur richtig sein, wenn auch das EU-Parlament eine Botschaft sendet, den Klima-Notstand ausruft und anerkennt", sagt Umweltaktivist Ralph Kettler.



Er hatte in Mönchengladbach den Bürgerantrag auf Ausrufung des Notstandes gestellt und scheiterte. Das Argument von CDU- und FDP-Vertretern, die im Rat die Mehrheit haben, lautete: man brauche keinen Symbolakt.

Klimanotstand: Kommunen für den Klimaschutz

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 10.07.2019 03:56 Min. Verfügbar bis 08.07.2020 WDR 5 Von Marco Poltronieri

Download

Konkrete Pläne

Flachdach mit Pflanzenbegrünung zur CO2-Reduzierung.

Grüne Dächer sorgen für gutes Klima

Etwa 40 NRW-Kommunen haben den Notstand ausgerufen. Tönisvorst und Herford hatten im Mai dieses Jahres den Anfang gemacht, Großstädte wie Münster, Düsseldorf, Köln, Bonn und Aachen zogen nach. Und es wird konkret: Knapp 90 konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen hat die Stadt Münster ausgearbeitet, zum Beispiel soll der gesamte Nahverkehr auf Elektro- und Wasserstoffmobilität umgestellt werden.

In Köln will man laut Umweltdezernent Harald Rau "mit einer Maßnahmen-Kaskade die Klimaneutralität bis 2050 erreichen". Hier soll beispielsweise der Photovoltaik-Ausbau erheblich gesteigert werden. Düsseldorf will statt 2050 schon im Jahr 2035 klimaneutral werden. Bochum plant Mauern durch Hecken zu ersetzen, Dächer zu begrünen und den Anteil erneuerbarer Energien bis 2025 auf siebzig Prozent zu erhöhen.

Studie: „Klimanotstand“ für viele Kommunen mehr als reine Symbolik

Bernd Hirschl vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

Bernd Hirschl sieht Chancen durch engagierte Kommunen

Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zeigt, dass die Klimanotstands-Kommunen ihre neuen Aufgaben sehr ernst nehmen, auch wenn bei vielen noch nicht alles mit dem Beschluss festgelegt ist. Diese Kommunen sollten unterstützt werden, sagt Bernd Hirschl vom IÖW. Sie seien ein Akteur mit Potenzial für die Umsetzung der nationalen Klimaschutzstrategie.

"Daher sollten sie im einschlägigen Förderprogramm, der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums, auch entsprechende Aufmerksamkeit erhalten", so Hirschl.

Stand: 28.11.2019, 18:45

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen