Klimaabkommen ohne USA - Folgen für NRW

Steiniges Flussbett des Rheins, im Hintergrund eine Brücke und der Düsseldorfer Fernsehturm

Klimaabkommen ohne USA - Folgen für NRW

  • USA offiziell aus Pariser Klimaabkommen ausgestiegen
  • Professor Fischedick: Gefahr nur bei Dominoeffekt
  • Entscheidung sei für NRW-Firmen nicht nur negativ

Die USA sind jetzt offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. Das haben die Vereinten Nationen am Montagabend (04.11.2019) bestätigt. Welche Folgen das hat, auch für NRW, beantwortet im Interview Professor Manfred Fischedick. Er ist Vizepräsident des Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie.

WDR: Was folgt jetzt aus der US-Entscheidung?

Manfred Fischedick

Professor Manfred Fischedick

Manfred Fischedick: Weil sich die Welt zwei Jahre auf diesen Schritt vorbereiten konnte, sind die Auswirkungen eher gering. Die wären nur dann erheblich, wenn jetzt ein Dominoeffekt einsetzt, China weniger für das Klima tut oder auch ein Wackelkandidat wie Brasilien aussteigt und andere Länder folgen.

WDR: Wie würden das die Bürger in NRW zu spüren bekommen?

Fischedick: Ohne das Engagement der großen Länder geht der Klimawandel weiter voran und es wird noch mehr Wetterextreme geben. Davon hatten wir in NRW zuletzt ja schon hinreichend. Wir hatten die extreme Trockenheit im Sommer 2018 und Rekordtemperaturen wie etwa in Marl mit 41,8 Grad.

Die Pegelstände der Flüsse waren so niedrig, dass Binnenschiffe nicht fahren konnten. Dadurch mussten einige Unternehmen sogar ihre Produktion drosseln. Zugleich hatten wir heftige Regengüsse mit großen Überschwemmungen.

WDR: Was droht der Wirtschaft in NRW sonst noch?

Fischedick: Zum einen bleiben US-Firmen auch weiterhin Klimaschutz-Kosten erspart. Dadurch könnte großen Firmen in NRW ein erheblicher Wettbewerbsnachteil drohen, etwa im Bereich Stahl, Chemie oder Aluminium.

Daher zahlen diese Firmen auch jetzt schon keine CO2-Preise, keine Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz und nur wenig Ökosteuer. Um wettbewerbsfähig zu sein, muss das auch so bleiben.

Zum anderen kann die US-Entscheidung Firmen in NRW aber auch helfen, und zwar im Bereich Klimatechnologie. Die weltweite Nachfrage steigt, und aus den USA droht jetzt weniger Konkurrenz, zumindest keine staatliche Unterstützung.

Klimaziele von Paris: Wie weit haben die Staaten sie umgesetzt?

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 14.06.2019 05:47 Min. Verfügbar bis 13.06.2024 WDR 5

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WDR: Insgesamt erwarten Sie aber nur geringe Auswirkungen aus dem US-Ausstieg. Warum?

Fischedick: Erstens haben sich die anderen Staaten, wie gesagt, auf den Ausstieg vorbereiten können. Zweitens sind die USA kein homogenes Gebilde. Viele Bundesstaaten tun viel für das Klima - zum Beispiel Kalifornien, mit dem NRW kooperiert.

Drittens ist es US-Präsident Trump nicht gelungen, die Kohlewirtschaft wieder anzukurbeln, auch das ist gut fürs Klima. Und viertens nimmt der Klimaschutz weltweit zu.

Schon heute haben sich 17 Länder formal das Ziel gesetzt, bis 2050 treibhausneutral zu werden. 50 weitere Länder diskutieren ebenfalls schon darüber. Daher sind die Auswirkungen der US-Entscheidung in der Summe relativ gering - auch für NRW.

Das Gespräch führte Jörn Seidel.

Stand: 05.11.2019, 13:44

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