Klimawandel in NRW: "Die Niederschläge werden extremer"

Klimawandel in NRW: "Die Niederschläge werden extremer"

Lebensfeindliche Hitze in Spanien (48 Grad) und den USA (54 Grad). In Deutschland Starkregen und Überschwemmungen. Der Klimawandel macht das Wetter extremer - auch in NRW. WDR-Interview mit Klimaforscher Mojib Latif.

Auch in Deutschland wird es immer heißer - 2019 gab es mit 41,2 Grad einen Allzeit-Rekord. Auf der anderen Seite fällt immer öfter sintflutartiger Regen, in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder in NRW. An solche zunehmende Extreme müssen wir uns gewöhnen, sagt Mojib Latif: "Das sind ganz klar die Folgen der globalen Erwärmung." Er arbeitet unter anderem als Professor am Helmholtz-Institut in Kiel.

WDR: Hier in NRW sollen in den nächsten Tagen 200 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, die Bäche, Flüsse und Talsperren sind jetzt schon voll. Ist das Wetter oder Klima?

Mojib Latif: Sowohl als auch. Als Einzelereignis kann man das immer als Wetter abtun. Die Datenlage ist auch extrem schlecht. Aber die neuesten Daten, die wir in den letzten Jahren gesammelt haben, deuten darauf hin, dass solche Extremniederschläge noch mal stärker ausfallen können. Wir beobachten auch in den letzten Jahren, dass es immer häufiger zu diesen sintflutartigen Niederschlägen mit Überschwemmungen kommt.

Die Feuerwehr ist ja auch keine Feuerwehr mehr, sondern eher eine Wasserwehr. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es absolut plausibel, dass gerade die Extremstniederschläge noch extremer werden.

WDR: Dazu kommt noch, dass die extremen Wetterlagen auch länger bleiben. Ist das auch mit dem Klimawandel zu erklären?

Latif: Das steht zu befürchten. Da geht es um den berühmten Jetstream, dieses Starkwindband in der oberen Atmosphäre, also in fünf oder sechs Kilometer Höhe. Das ist sozusagen eine Autobahn für Wettersysteme. Und wenn die Autobahn langsamer wird, bewegen die sich auch langsamer, können sich länger halten. Bei Extremwetterlagen ist das auch so, zum Beispiel mit längeren Hitze- oder Trockenphasen und auf der anderen Seite sehr langen Niederschlagsphasen.

WDR: Der Klimawandel kommt also nicht, er ist schon da?

Latif: Der Klimawandel ist schon längst da. Das zeigen auch die Berichte des Weltklimarates. Im August wird der nächste Bericht vorgelegt, der ein dramatisches Bild zeichnen wird. Der Klimawandel lässt sich einfach nicht leugnen. Ich denke, wir alle spüren ihn schon.

Das Interview führte Susanne Wieseler für die Aktuelle Stunde im WDR Fernsehen und wurde für die Online-Version leicht gekürzt.

Stand: 12.07.2021, 19:56

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