Klimawandel: Wird Leben in der Stadt unerträglich?

Die Sonne spiegelt sich am Mittag in der Fassade des Mediapark Turmes in Köln

Klimawandel: Wird Leben in der Stadt unerträglich?

  • Klimawandel hat Einfluss auf die Gesundheit
  • Hitzebedingte Sterblichkeit ist messbar
  • Dringender Handlungsbedarf in Städten

Bis zu 29 Grad Celsius an Christi Himmelfahrt: Maitage mit hochsommerlichen Temperaturen sind auch in NRW keine Seltenheit mehr. Sie liefern uns einen Vorgeschmack darauf, was uns in den Sommermonaten erwarten könnte.

Dass der Klimawandel auch in NRW direkte und indirekte Effekte auf die Gesundheit hat, davon ist Professor Andreas Matzerakis vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg überzeugt.

Mehr Hitzetote befürchtet

"Die hitzebedingte Sterblichkeit in Deutschland ist messbar" sagte Matzerakis am Freitag (22.05.2020) auf WDR-Anfrage. So habe man etwa im "Jahrhundertsommer" 2003 rund 8.000 Hitzetote gezählt. Zwar lägen für die beiden vergangenen Jahre noch keine Zahlen vor. Aber die Abstände zwischen heißen Jahren würden kürzer, sodass man dringend Maßnahmen ergreifen müsse.

Hitzekarte einer Großstadt Quarks Folge 22 24.09.2019 06:33 Min. UT Verfügbar bis 24.09.2024 WDR Von Ulf Kneiding, Anke Rau

Handlungsbedarf in deutschen Städten

Da vor kritischen Wetterlagen in der Regel gewarnt wird, betreffen die einfachsten Maßnahmen das Verhalten der Menschen. Da sieht Matzerakis mit Blick auf den Sommer aber große Probleme. Der Tipp bei Hitze laute "Zu Hause bleiben und Jalousien runterlassen". Doch nach dem Abflauen der Corona-Krise hätten die Menschen ein großes Bedürfnis nach Bewegung an der frischen Luft.

Dichte Bebauung ein Problem

Hochhaus mit Dachbegrünung in Köln

Dachgärten könnten Hitze lindern

Matzerakis sieht in deutschen Städten durchaus dringenden Handlungsbedarf, wobei regional spezifische Faktoren zu beachten seien. So sei etwa das Schaffen von Schattenbereichen in verdichteten Städten wie Duisburg wichtig, in Küstenstädten mit viel Wind aber eher verzichtbar. Städteplanerisch könnten zudem gleichmäßig verteilte Grünflächen, Fassadenbegrünungen sowie offene Plätze und Oberflächen, die nicht viel Hitze speichern, das Stadtklima verbessern.

400 Millionen Euro für Städtebauförderung

Auch in NRW hat man den verdichteten städtischen Lebensraum als Problemzone erkannt und ergreift Maßnahmen. So werde derzeit im Rahmen der Stadtentwicklung an einem Landeswettbewerb "Klima- und Mobilitätsraum Stadt" gearbeitet, teilte das NRW-Bauministerium auf WDR-Anfrage mit. Man hofft auf innovative Entwürfe zur Umgestaltung von Straßen- und Stadträumen. 

Förderung für energetisches Bauen

Ein Sprecher des Ministeriums versichert: "Nahezu jede Maßnahme, der im Rahmen der Städtebauförderung 2020 für die Städte und Gemeinden bewilligten Projekte hat Anpassungen an Klima und energetische Anforderungen im Gebäudebestand oder in der Stadtgestaltung zum Gegenstand."

Hitze und Dürre: Wie wir uns dem Klimawandel anpassen Quarks Folge 22 24.09.2019 44:35 Min. UT DGS Verfügbar bis 24.09.2024 WDR

Stand: 22.05.2020, 16:21

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