Klimaschutz fünf Jahre nach Paris: In NRW ist noch viel Luft nach oben

Bagger in Tagebau

Klimaschutz fünf Jahre nach Paris: In NRW ist noch viel Luft nach oben

Von Karin Bensch

Seit fünf Jahren gibt es das Pariser Klimaabkommen. Es will die Erderwärmung bis 2050 möglichst auf 1,5 Grad begrenzen - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Schaffen wir das in NRW?

Das Pariser Klimaabkommen vom 12. Dezember 2015 galt als Meilenstein. Rund 190 Staaten vereinbarten, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf zwei Grad, möglichst aber auf unter 1,5 Grad zu begrenzen - durch weniger Treibhausgase. Ganz aktuell hat die Europäische Union wiederum ihr Klimaziel verschärft. Bis 2030 soll der Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 55 Prozent sinken, im Vergleich zu 1990. Der Beschluss soll helfen, das Pariser Abkommen umzusetzen.

Viele gute Absichten also – aber wo stehen wir in NRW tatsächlich fünf Jahre nach Paris? – Ein Überblick.

Braunkohle

Der Tagebau Garzweiler II

Vorerst kein Braunkohle-Ausstieg in NRW

NRW habe es geschafft, seine CO2-Emissionen in den vergangenen zehn Jahren um 38 Prozent zu senken, sagt Michael Theben, Klimaschutz-Experte im NRW-Wirtschaftsministerium. Das sei mehr als der Bundesdurchschnitt. Den größten Anteil daran hätten die Energiekonzerne. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält das für deutlich zu wenig. "Mit dem riesigen Braunkohle-Tagebau und den Kraftwerken ist NRW noch immer der größte CO2-Verursacher Europas", kritisiert Bastian Neuwirth. Um das Klima zu schützen, müsse sich die Landesregierung von der Braunkohle verabschieden. Stattdessen halte sie bis 2038 daran fest.

Windkraft

In NRW wird von den Erneuerbaren Energien vor allem die Windkraft genutzt. Doch der Ausbau stockt. Der Landesverband Erneuerbare Energien geht für das vergangene Jahr von insgesamt nur etwa 40 Windrädern aus, die in NRW ans Netz genommen wurden. 2018 waren es noch 110 neue Windkraftanlagen, im Jahr davor sogar 307.  "Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in NRW liegt nur bei 16 Prozent", sagt Dirk Jansen vom BUND. Im Bundesdurchschnitt liege er bei etwa bei 50 Prozent. Grund für den stockenden Ausbau der Windenergie sei die unentschlossene und zögerliche Haltung der schwarz-gelben Landesregierung.

Klima – brauchen wir extreme Maßnahmen?

WDR 5 Tagesgespräch 09.12.2020 45:05 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 WDR 5


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Verkehr

Stau auf der A40 bei Bochum

Immer mehr Verbrenner auf den Straßen

Der Verkehrssektor hinkt in Nordrhein-Westfalen dem Klimaschutz hinterher. "Das liegt daran, dass die Anzahl der Pkw zugenommen hat, die Fahrleistung gestiegen ist und mehr SUVs verkauft wurden", erklärt Michael Theben vom NRW-Wirtschaftsministerium. Der BUND kritisiert: Die Landesregierung setze viel zu wenig auf öffentliche Mobilität, auf Fahrrad- und Fußgängerverkehr.

Unterm Strich: Wird NRW das Pariser Klimaabkommen einhalten?

Die Teilnehmer des Klimagipfel applaudieren

Zufriedene Gesichter 2015 in Paris

"Wir wollen in Nordrhein-Westfalen treibhausgasneutral sein in 2050, und ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind", sagt Michael Theben vom NRW-Wirtschaftsministerium. Anders sehen das Umweltorganisationen. NRW sei meilenweit davon entfernt, das Pariser Klimaziel zu erreichen, wenn es weiter auf Braunkohle setze, meint Bastian Neuwirth von Greenpeace. Auch Dirk Jansen vom BUND ist skeptisch: Dafür müsste das Landesklimaschutzgesetz, das Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) angekündigt hat, massiv nachgeschärft werden. Das aber sei unwahrscheinlich.

Stand: 12.12.2020, 06:00

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