Masken-Affäre: Onlinehändler widerspricht YouTube-Star Kliemann

Stand: 07.05.2022, 13:11 Uhr

Der Onlinehändler "About You" widerspricht dem YouTuber und Geschäftsmann Fynn Kliemann in der Affäre um Coronamasken-Deals. Es geht um die Frage, ob der Produktionsort - Asien statt Europa - bewusst verschleiert wurde.

Von Frank Menke

Der YouTuber und Unternehmer Fynn Kliemann hatte am Anfang der Corona-Pandemie Corona-Stoffmasken produzieren lassen - und dafür 2020 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten. Die Masken wurden laut Kliemann unter fairen Bedingungen in Portugal und Serbien produziert.

Recherchen von Jan Böhmermanns "ZDF Magazin Royale" zufolge hat Kliemann jedoch gemeinsam mit seinem Global-Tactics-Geschäftspartner Tom Illbruck die Masken nicht fair in Europa, sondern in Bangladesch und Vietnam produzieren lassen - und zwar "mindestens 2,3 Millionen". Ihren Kunden sollen Kliemann und Illbruck das bewusst verschwiegen haben.

Versandhändler: "Das stimmt nicht"

Kliemann hatte am Freitag mitgeteilt, dass der Onlinehändler "About You", über den diese Masken auch vertrieben wurden, Bescheid gewusst habe, dass die Lieferungen aus verschiedenen Ländern - auch außerhalb Europas - stammten. "About-You"-Co-Chef Tarek Müller widersprach dieser Darstellung auf Twitter: "Das stimmt nicht."

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Müller twitterte weiter: "Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt und wir haben den Fall unverzüglich intern geprüft, um uns ein genaues Bild zu machen." Der Textilhersteller Global Tactics habe angegeben, dass die Masken aus Europa stammen: "Nach den uns vorliegenden Informationen hat uns Global Tactics weder im Jahr 2020, noch danach, darüber informiert, oder uns darauf hingewiesen, dass die Masken außerhalb Europas hergestellt werden."

Als erste Konsequenz hat "About You" die Masken aus dem Shop "Oderso", dessen Geschäftsführer Kliemann ist, aus seinem Sortiment genommen.

Illbruck: "Keine Absprachen mit About You"

Global Tactics-Firmengründer Illbruck schilderte die Lage hingegen so: "Nach dem, was uns an Dokumenten vorliegt, gibt es keine Absprachen mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal gekommen sind und das ist an keiner Stelle schriftlich versichert worden."

Illbruck führte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aus: Masken seien in dem betreffenden Zeitraum 2020 auch in Bangladesch produziert worden, nicht nur in Europa. Wenn zum Beispiel ein Großkunde keinen Wert darauf gelegt habe, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, "dort haben wir Masken angeboten, ohne explizit an jeder Stelle zu sagen, wo die Masken herkommen".

Kliemann: "Ziemlich blind ziemlich viele Sachen angestoßen"

Im Gespräch mit dem WDR räumte Kliemann am Freitag keine betrügerischen Absichten, aber Fehler im Umgang mit seinen Geschäftspartnern ein: "Ich habe ziemlich blind ziemlich viele Sachen angestoßen, für andere organisiert, einfach nur mit dem Hintergedanken, so schnell wie möglich Masken zu produzieren für Leute, die welche brauchen. Ich habe zu wenig darauf geachtet, wo wird eigentlich was wie genau von wem gemacht."

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Kliemann bestritt gegenüber dem WDR, in seinem Shop "Oderso" seien Masken verkauft worden, die aus Bangladesch stammen: "Die Masken, die über meinen Shop vertrieben wurden, wurden ausschließlich in Portugal und Serbien produziert." Dass sein Geschäftspartner Global Tactics auch Masken aus Bangladesch verkauft habe, sei deshalb für ihn nie relevant gewesen.

Total überfordert?

Im WDR-Gespräch zeichnete Kliemann, der als YouTuber, Geschäftsmann, Webdesigner, Musiker und Influencer arbeitet, ein Bild von sich, das den Eindruck vermittelt, dass er mit seinen vielen Aktivitäten zumindest total überfordert war. Er habe 500 E-Mails am Tag bekommen, überall im CC gestanden, sich kaum etwas durchgelesen und seinen Partnern vertraut.

Kritik am Geschäftspartner

In einem offiziellen Statement bewertete der YouTuber E-Mails seines Geschäftspartners Illbruck zum "Umlabeln" der Masken als "schlimm", die Formulierung stehe zu Recht in der Kritik. Auf Rückfrage habe Illbruck ihm mitgeteilt, dass jede Bestellung, auch jene aus Portugal und Serbien, vor dem Weiterverkauf umgelabelt würden, da die Produzentenangaben ein Geschäftsgeheimnis seien, das man seinen Wettbewerbern nicht mitteilen wollte. Kliemanns Fazit: "Verschleierung des Herkunftslandes, sei sie gewollt oder ungewollt, ist nicht das, wofür ich stehe."

Kliemann: Keine defekten Masken an Flüchtlingslager geliefert

Als schlimmsten Punkt der Anschuldigungen empfindet Kliemann, er habe defekte Masken an Flüchtlingslager geliefert: "Diese Masken waren laut Produzenten nicht defekt, oder hatten eine schlechte Schutz-Wirkung. Sie waren einfach nur etwas größer als die ursprüngliche Vorgabe."

Die Abzweigung verpasst

Kliemanns Fazit im WDR-Gespräch: "Irgendwo habe ich die Abzweigung verpasst. Zu groß werden von allem hat dazu geführt, dass ich vor ungefähr sechs Monaten angefangen habe, zu planen, dass ich mal rauskomme und sortiere, was will ich wirklich machen. Und was ich dann mache, mache ich auch richtig."

Sein Image als moderner Robin Hood, der nur Gutes tun will, ist aber jetzt schon ziemlich ramponiert. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP) teilte mit, dass sie Kliemann den Sonderpreis "Next Economy Award" (NEA), den er 2020 für die Maskenproduktion erhalten hatte, wieder aberkennt.

Über dieses Thema berichtete das WDR Fernsehen auch in der Aktuellen Stunde am 06.05.2022.

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