Recht auf einen Kitaplatz - zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Eine Erzieherin mit zwei Kindern im Flur einer Kita

Recht auf einen Kitaplatz - zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Von Nina Giaramita

  • Eltern bekommen zurzeit Bescheid über Kitaplatz
  • In vielen Kommunen ist Platzangebot weiter knapp
  • Eltern klagen selten zur Durchsetzung des Rechtsanspruchs

Die Viersenerin Stefanie Schmitz-Jeltsch ist in den letzten Monaten zunehmend nervös. Sie möchte, dass ihre bald drei Jahre alte Tochter nach den Sommerferien in die Kita geht.

Was macht eine gute Kita aus?

WDR 5 Tagesgespräch | 07.03.2018 | 45:57 Min.

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Bisher hat die dreifache Mutter jedoch von keiner Kita eine Zusage erhalten. "Ich habe bereits beim Jugendamt angerufen", sagt sie. "Dort hat man mir bisher wenig Hoffnung gemacht und mich auf die Neueröffnung einer Kita im April nächsten Jahres verwiesen."

So wie Stefanie Schmitz-Jeltsch ergeht es zurzeit vielen Eltern.

Vor allem der Ausbau der U3-Plätze in NRW hält Betroffene und Behörden in Atem. Die im Jahr 2007 von Bund, Ländern und Kommunen vereinbarte Richtgröße, bundesweit für 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsangebote zu schaffen, gilt vor allem in den Städten als längst überholt.

Kommunen helfen sich mit Provisorien aus

In Bielefeld beispielsweise beträgt die Versorgungsquote bei Kindern unter drei Jahren 43 Prozent. Auf diesen Zahlen will und kann sich die Kommune jedoch nicht ausruhen: Laufend werden neue Kitas im Stadtgebiet eröffnet. Allein im kommenden Kitajahr kommen sechs neue Einrichtungen hinzu.

"Die Kommunen geben sich tatsächlich sehr viel Mühe", sagt die NRW-Landesvorsitzende Petra Windeck vom Deutschen Familienverband. "Leider dauern viele Baumaßnahmen aber sehr lange." Nicht wenige Städte müssen sich daher mit Provisorien behelfen. Vielerorts werden Container für den Kitabetrieb aufgestellt oder man hilft sich zeitweise durch die sogenannte Überbelegung von Gruppen aus.

Kitas überlegen sich kreative Lösungen

Mancherorts werden kreative Lösungen ausgetüftelt. In Hilden beispielsweise wird es demnächst auf dem Gelände einer bereits bestehenden Kita einen Bauwagen geben. So kann die Kita weitere 15 Kinder aufnehmen.

Von dem Bauwagen profitieren nicht nur die neuen Kinder. Nach dem Rotationsprinzip wird sich eine Gruppe von über Dreijährigen jeweils für eine Woche in der ungewöhnlichen Unterkunft sowie im Freien aufhalten. "Das ist dann unsere jeweilige Wander- und Erlebnisgruppe", sagt Kitaleiterin Verena Kleine Holthaus.

Eltern klagen ihr Recht kaum ein

Auch Stefanie Schmitz-Jeltzsch hofft noch auf eine Lösung - klagen will sie nicht. "Auf diesen Weg verzichten die meisten", sagt Petra Windeck vom Familienverband. "Die Leute befinden sich ja mit Kind und Arbeit in der Rushhour ihres Lebens. Da wollen sich die wenigsten auch noch eine Klage aufhalsen."

Stand: 06.03.2018, 09:00