Kita-Personalmangel spitzt sich zu

[ARCHIV] Spielzeug liegt am 18.04.2016 in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) auf dem Boden.

Kita-Personalmangel spitzt sich zu

  • Erkältungszeit verschärft Kita-Personalmangel
  • Studie: In NRW fehlen 16.000 Erzieher
  • Kollegengespräch zur Lage in Nordrhein-Westfalen

Die ohnehin große Personalnot in den Kindertagesstätten spitzt sich in der aktuellen Erkältungszeit weiter zu. WDR-2-Reporter Jan Schulte berichtet im Kollegengespräch über die Lage in Nordrhein-Westfalen.

WDR: Wie groß ist die Personalnot in den Kitas in NRW?

Jan Schulte: Eklatant groß. Wir haben in NRW etwas mehr als 10.000 Kindertagesstätten. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem vergangenen Jahr fehlen bei uns fast 16.000 Erzieherinnen und Erzieher. Tendenz steigend. Das sorgt natürlich für Frust – und zwar bei allen Beteiligten.

WDR: Wodurch entsteht der Frust konkret?

Schulte: Zum Beispiel erzählte mir eine Mutter, deren zwei Söhne eine Awo-Kita in Waltrop besuchen, dass sie von der Kita-Leitung vor Weihnachten Post bekommen habe. Darin seien alle nicht-berufstätigen Eltern gebeten worden, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu lassen.

Der Grund: der hohe Krankenstand unter den Erzieherinnen. Dadurch musste die Leitung Gruppen zusammenlegen und habe sich kaum noch in der Lage gesehen, alle Kinder zu betreuen.

WDR: Hat sich die Lage dort mittlerweile gebessert?

Schulte: Durchaus, aber noch nicht ganz. Zum Beispiel gibt es im Moment kein Personal für die Schlafbetreuung der ganz Kleinen. Also fällt der Mittagsschlaf aus.

Solche Probleme haben viele Kitas in NRW. Da ist alles so auf Kante genäht, dass das komplette Angebot zu kippen droht, wenn die Grippezeit beginnt. Als Erstes werden alle Projekte, die über die normale Betreuung hinausgehen, weggelassen.

WDR: Wie gehen betroffene Eltern damit um?

Schulte: Ganz unterschiedlich. Eine andere Mutter erzählte mir zum Beispiel, dass sie nicht selten Bauchschmerzen bekommt, wenn mal wieder viele Erzieherinnen erkrankt sind.

Da kommt sie ins Grübeln, ob die Kinder dort wirklich gut betreut werden können, und lässt ihr Kind gleich zu Hause. Sie ist sich aber auch bewusst, dass viele Eltern diese Möglichkeit nicht haben.

Wie reagieren Land und Kommunen auf das Problem?

Schulte: Die Landesregierung will ab dem Kindergartenjahr 2020/2021 jährlich mehr als eine Milliarde Euro investieren. Die sollen auch in Gehälter für Erzieher in der Ausbildung fließen, um den Job attraktiver zu machen.

In Leverkusen und Wuppertal zum Beispiel erhalten Auszubildende seit einiger Zeit von Anfang an ein Gehalt. Das ist nicht überall so. Der schulische Teil der Ausbildung ist häufig unbezahlt.

Einen anderen Plan hat Bonn: Die Stadt will Erzieherinnen und Erzieher nun unter anderem aus Spanien anwerben.

Stand: 14.01.2020, 11:12

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