Archivbild: Eine Person drückt den Knopf "Kirchenaustritte" für eine Wartenummer beim Amtsgericht Köln (2009)

Kirchenaustritte: Amtsgericht Köln vergibt mehr Termine

Stand: 01.02.2022, 14:24 Uhr

Seit Dienstagmorgen hat das Amtsgericht Köln 1.750 Termine pro Monat für Kirchenaustritte freigegeben – damit kommen 200 Termine mehr im Monat hinzu. Trotzdem sind die Wartezeiten lang.

Von Anke Kahle

Innerhalb eines Tages waren rund 1000 Austritts-Termine beim Amtsgericht Köln vergriffen, sagte ein Sprecher gegenüber dem WDR. Mit den 200 monatlichen Zusatzterminen sind es zwar mehr als doppelt so viele als in den vergangenen Jahren ursprünglich mal geplant. Trotzdem müssen Austrittswillige aktuell mit einer Wartezeit von zweieinhalb bis drei Monaten rechnen.

Kaum freie Termine in anderen Städten

Wer aus der Kirche austreten will, bekommt beim Amtsgericht Köln erst wieder Ende April einen Termin. In Düsseldorf, Aachen, Münster und Essen werden erst im März wieder neue verfügbare Termine online gestellt.

Wer aus der Kirche austritt, zahlt

Neben dem Personalausweis muss man beim zuständigen Amtsgericht einen Zahlungsbeleg vorlegen. Der einmalige Austritt aus der Kirche kostet 30 Euro. Die Gründe für den Austritt muss man dabei nicht angeben. Der Kirchenaustritt gilt ab dem Folgetag des Austrittstermins. 

Schneller ist der Weg über den Notar

Wer lieber zum Notar geht, muss die Austrittserklärung selbst formulieren und sie zur Unterschriftsbeglaubigung beim Notar vorlegen. Allerdings ist der Kirchenaustritt erst dann gültig, wenn das Dokument vom zuständigen Amtsgericht bestätigt worden ist. Mithilfe eines Notars kann der Kirchenaustritt in wenigen Tagen erfolgen, allerdings zahlt man doppelt - für den Notar und das Amtsgericht.

Welle der Kirchenaustritte kaum zu stoppen

Der Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller beobachtet, dass inzwischen einige Katholiken austreten, die bis vor kurzem noch in ihren Gemeinden und kirchlichen Verbänden aktiv waren. Die große Welle der Kirchenaustritte sei kaum noch zu stoppen, sagte Schüller im WDR5 Morgenecho. Gleichzeitig bemerke er aber, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens bleibe, auch wenn die Kirche in ihrer Sozialgestalt, wie wir sie kennen, aussterbe. 

So viele Kirchenaustritte wie nie zuvor

Im vergangenen Jahr sind rund 155.000 Christen aus den Kirchen in Nordrhein-Westfalen ausgetreten. Damit erreicht die Zahl der Kirchenaustritte in NRW ein Rekordhoch.

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