Garzweiler II - Wut und Enttäuschung beim Abschied von Kirchen

Garzweiler II - Wut und Enttäuschung beim Abschied von Kirchen

Von Thomas Wenkert

Der Abschied von den drei katholischen Kirchen in den Braunkohledörfern Keyenberg, Kuckum und Berverath wurde von Wut und Enttäuschung begleitet. Die Orte sollen für den Tagebau Garzweiler II abgerissen werden.

Aus Protest blieben einige Besucher sogar stundenlang in den Kirchen sitzen, obwohl diese verschlossen werden sollten.

Auch wenn die künftige Bundesregierung den Erhalt der Dörfer in dieser Woche in Aussicht gestellt hat, das Bistum Aachen hält an seinem Fahrplan fest. Die Kirchen sind bereits an den RWE-Konzern verkauft worden, jetzt folgte die Entwidmung.

Es gab keinen feierlichen Abschieds-Gottesdienst. Am Samstag wurden die Kirchen noch einmal für die Gemeindemitglieder geöffnet. Sie konnten Abschied von den Gotteshäusern nehmen, noch einmal eine Kerze anzünden.

"Wir richten unseren Blick nun gemeinsam in die Zukunft, von der wir uns Konsolidierung und Aufbruch erhoffen", hieß es in einem Brief der zuständigen Erkelenzer Pfarrei Christkönig. In den vergangenen Monaten wurde die katholische Kirche wegen ihrer Haltung zum Braunkohletagebau Garzweiler II immer wieder kritisiert. Bündnisse und Initiativen hatten das Bistum mehrmals - aber letztendlich vergeblich - aufgerufen, kein Land und keine Kirche an den RWE-Konzern zu verkaufen.

Ein letztes stilles Gebet

Am Samstag wurden die Kirchen noch einmal von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Jeder sollte dort von ihnen Abschied nehmen können, auch wenn die Gebäude damit nicht dem Abriss übergeben werden, so die Pfarrei. Deshalb wurden auch die Fenster aus den betroffenen Kirchen nicht entfernt.

In allen drei Kirchen lagen auch Bücher aus, in denen die Menschen ihre persönlichen Erinnerungen schreiben konnten. Die Bücher sollen später in der St.-Petrus-Kapelle am neuen Umsiedlungsort untergebracht werden - in einem "Raum der Erinnerung".

Neue Kapelle wird gebaut

Diese neue Kapelle befindet sich derzeit im Bau. Die Glocken der Keyenberger Kirche wurden dort schon eingebaut. Auch andere sakrale Gegenstände werden in der Kapelle ihren Platz finden. Die Einweihung wird im kommenden Sommer stattfinden.

Für Pfarrer Werner Rombach ist das neue Gotteshaus auch ein Symbol: "Wir mögen andere Gebäude aufgeben und übergeben an neue Eigentümer – aber wir als Gemeinde wollen als Gemeinschaft der Glaubenden weiter präsent sein und wollen uns in einer neuen Heimat zusammen finden."

Förmliche Entwidmung am Sonntag

Eine Gruppe von Protestierenden geht in einem Protest Zug, sie tragen Banner und Flaggen, im Vordergund ein Mann mit einem großen gelben Kreuz in der Hand

Protestzug gegen die Kirchen-Entwidmung im Braunkohlerevier


Die förmliche Entwidmung wurde am Sonntag vollzogen. Sollten die Dörfer - in denen nur noch zehn Prozent der einstigen Bevölkerung lebt - stehen bleiben, dann sollen diese Kirchen als Begegnungsstätten genutzt werden. Wie Bürgermeister Stephan Muckel erklärte, werde sich die Stadt Erkelenz mit solchen Plänen auseinandersetzen.

Stand: 28.11.2021, 16:00

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