Immer mehr ungenutzte Kirchen in NRW

St Marienkirche in Bochum wird Foyer für Konzertsaal

Immer mehr ungenutzte Kirchen in NRW

  • Gemeinden müssen über die Zukunft ihrer Kirchen beraten
  • Umnutzung, Verkauf oder Abriss
  • Neue Ideen für alte Gotteshäuser gesucht

Wenn Kirchen nicht mehr für den Gottesdienst gebraucht werden, ist oft unklar, wie es weitergeht. Und immer mehr evangelische Gemeinden in NRW müssen sich mit der Zukunft ihrer Kirchengebäude beschäftigen. Denn hier ist die Zahl der verkauften und entwidmeten Kirchen besonders hoch.

Allein im Rheinland wurden in den letzten zehn Jahren 150 Kirchen entwidmet. Seit 2001 wurden in der Evangelischen Kirche von Westfalen 78 Kirchen und 61 weitere Gottesdienststätten aufgegeben.

Neue Nutzungsmöglichkeiten für Ruhrgebiets-Kirchen

Auch im Ruhrgebiet gibt es immer mehr leerstehende Kirchen. Neue Nutzungsmöglichkeiten sind daher gefragt. Eine Kirche in Dortmund-Dorstfeld ist heute Event-Location. Dort finden zum Beispiel Hochzeiten und Krimi-Dinner statt. Ein ehemaliges Gotteshaus in der Dortmunder Nordstadt soll zum Hotel umgebaut werden.

Käufer für ehemalige Kirchen zu finden ist aber nicht immer einfach. Die Evangelische Kirche sucht beispielsweise seit Monaten einen für eine Kirche in Dortmund-Lindenhorst. Für die Auferstehungskirche im Stadtteil Brechten fand sie keinen Käufer. Die Kirche wurde abgerissen. Dort stehen jetzt Reihenhäuser.

Architektur-Professorin: Problem wird kleingeredet

Die Landesinitiative Stadt-Bau-Kultur geht davon aus, dass bis zu 30 Prozent der rund 6.000 Kirchengebäude in Nordrhein-Westfalen - die katholischen mit eingerechnet - auf Dauer leerstehen werden.

Viele Kirchen im Land wurden bereits erfolgreich umgenutzt. Sie dienen als Wohnraum, Kulturtreff, Kindertagesstätte oder Ausstellungsraum.

Neues Innenleben für alte Gotteshäuser

Ob Konzertsaal, Kletterhalle oder Wohnraum - viele leer stehende oder vom Abriss bedrohte Kirchenräume in NRW wurden umfunktioniert. Jetzt wird hier auch schon mal getanzt, gearbeitet oder einfach gewohnt.

Kletterwände in einer Kirche

Kletterhalle: Die ehemalige Pfarrkirche St. Peter in Mönchengladbach ist heute Deutschlands erste Kletterkirche. Auf 1.300 Quadratmetern können Besucher hier Steilwände erklimmen.

Kletterhalle: Die ehemalige Pfarrkirche St. Peter in Mönchengladbach ist heute Deutschlands erste Kletterkirche. Auf 1.300 Quadratmetern können Besucher hier Steilwände erklimmen.

Einsteiger können hier erst einmal harmlos anfangen, für Fortgeschrittene geht es in die 13 Meter hohe Kirchenwand hinein.

Wohnhaus: Barrierefreie Wohnungen entstanden in der ehemaligen Kirche Maria Königin in Dülmen. Dafür bekam das Projekt den NRW-Landespreis 2012 für Architektur, Wohnungs- und Städtebau.

Auch in Mönchengladbach wurde ein Kirchenraum zu Wohneinheiten umgebaut - ein gläserner Fahrstuhl führt zu den Wohnungen, die über offene Galerien zu erreichen sind. Die Wohnungen liegen in den ehemaligen Seitenschiffen, im Chorraum und im Querhaus der ehemaligen Herz-Jesu-Pfarrkirche.

Künstlertreff: Die Auferstehungskirche in Köln wurde 2005 im Rahmen des Modellprojektes "Kirchenumnutzung NRW" renoviert. An Sonn- und Feiertagen wird sie von der evangelischen Gemeinde genutzt.

Das ehemalige Kölner Kirchengebäude ist heute aber auch Begegnungsstätte und Künstlertreff - sowie bei der Veranstaltung "Eight Days a Week", bei der Künstler aus Köln und Liverpool ein vielfältiges Programm gestalteten.

Konzertsaal: Das "Anneliese Brost Musikforum Ruhr" in Bochum ist ein Konzerthaus für die Bochumer Symphoniker und stellt auch gleichzeitig einen Saal für die städtische Musikschule zur Verfügung.

 Die ehemalige St.-Marien-Kirche dient als Foyer für beide Säle.

Kulturkirche: In der Kölner Lutherkirche finden regelmäßig Konzerte, Lesungen und Kabarett statt. Auch der Rockpalast war schon zu Gast.

Die würfelförmigen Zimmer wurden von 60 Designstudenten der Fachhochschule Aachen konzipiert. Hunderte Gäste übernachteten im ehemaligen Kirchenschiff. Arbeitslose Flüchtlinge betrieben für drei Monate das temporäre Hotel samt Bar.

Nach Ansicht der Karlsruher Architektur-Professorin Kerstin Gothe wird das Problem kleingeredet. Viele Landeskirchen versuchen derzeit, ihre Kirchengebäude zu halten, auch wenn dort keine regelmäßigen Gottesdienste mehr stattfinden. Durch die gute Steuersituation sei der finanzielle Druck, sich mit dem Thema zu beschäftigen, erst einmal raus, sagt Gothe am Samstag (23.02.2019).

Wir stellen vor: Die Webseite "Zukunft - Kirchen - Räume"

WDR 3 Mosaik 14.02.2019 04:30 Min. Verfügbar bis 14.02.2020 WDR 3

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Stand: 25.02.2019, 14:00

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