Verbesserungsbedarf bei Kinderrechten in NRW

Immer noch nicht alles gut für Kinder

Verbesserungsbedarf bei Kinderrechten in NRW

  • Mängel bei Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in NRW
  • Deutsches Kinderhilfswerk: NRW ist Durchschnitt
  • Nachholbedarf bei Chancengleichheit und Spielplätzen

Knapp drei Millionen Kinder leben in NRW – mit ihren Rechten steht es allerdings nicht zum Besten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW), die am Mittwoch (04.12.2019) vorgestellt wurde. Bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention gebe es Verbesserungsbedarf.

"Noch viel Luft nach oben" sieht DKHW-Präsident Thomas Krüger in NRW beispielsweise bei der Schüler-Lehrer-Quote, der Chancengleichheit aller Schüler, bei Rückzugsräumen in Schulpausen, dem Zustand der Schul-Toiletten und dem Angebot von Spielplätzen.

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WDR 5 Morgenecho - Interview 20.11.2019 04:22 Min. Verfügbar bis 18.11.2020 WDR 5

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Fünf Kinderrechte im Fokus

Die DKHW-Pilotstudie "Kinderrechte-Index" vergleicht nach Angaben des Kinderhilfswerks erstmals systematisch die Bundesländer miteinander. Die Landesregierungen könnten damit ihre Politik überprüfen. NRW liege bei diesem Ländervergleich im Durchschnitt. Überdurchschnittlich schnitten Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein ab. Hamburg, Hessen, das Saarland und Sachsen-Anhalt blieben insgesamt unter dem Durchschnitt.

Der "Index" untersuchte fünf Kinderrechte: das Recht auf Beteiligung, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf angemessenen Lebensstandard, das Recht auf Bildung sowie das Recht auf Ruhe und Freizeit, Spiele und Erholung.

Beteiligung möglich

Als besonders gut wird in NRW die Umsetzung des Rechts auf Beteiligung beurteilt. Dazu gehören Beteiligungsmöglichkeiten in Kitas und bei der Wohnumfeld- und Verkehrsplanung. Positiv ins Gewicht fiel auch die Möglichkeit der Teilnahme an Kommunalwahlen ab 16 Jahren.

Zudem haben 93 Prozent der befragten Schüler das Gefühl, in der Schule eine Person zu haben, an die sie sich bei Problemen wenden können – der höchste Wert im Ländervergleich.

Kinderrechte: "Kinder müssen gehört werden"

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.11.2019 05:04 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 WDR 5

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Unsichere Schulwege

Den größten Verbesserungsbedarf sieht die Studie in NRW hingegen bei den Rechten auf Gesundheit sowie auf Ruhe und Freizeit, Spiele und Erholung. So schätzen nur 72 Prozent der Schüler ihren Schulweg als sicher ein. Das ist der niedrigste Wert im Ländervergleich.

Auch bewerten Kinder Rückzugsräume in der Pause und den Zustand der Toiletten an ihren Schulen im Ländervergleich durchschnittlich am zweitschlechtesten.

In NRW gibt es außerdem vergleichsweise wenig Einrichtungen der offenen Jugendarbeit. Auf 1.000 Kinder kommen im Bundesland nur 1,3 Einrichtungen.

Ein erster Schritt

Die Studie stützt sich auf verschiedene Quellen: Neben öffentlich zugänglichen Daten flossen danach Daten des Kinderhilfswerks ein, die durch repräsentative Umfragen bei Kindern und Eltern sowie durch die Befragung von Landesministerien erhoben wurden.

Alle Index-Ergebnisse seien als Momentaufnahme zu verstehen, hieß es. Sie seien ein erster Schritt zu einer Langzeit-Betrachtung.

Stand: 04.12.2019, 10:00

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